Politische Radiopiraten in Deutschland
Shownotes
Frühstyxradio - nicht, wie fälschlicherweise gesagt Sonntagsradio https://de.wikipedia.org/wiki/Fr%C3%BChstyxradio
Deutschmacher https://de.wikipedia.org/wiki/Original_Deutschmacher
Politische Radiopiraterie in Deutschland https://anderesradio.de
Kurt Weichler Die anderen Medien https://search.worldcat.org/de/title/22811082
https://kops.uni-konstanz.de/server/api/core/bitstreams/b3ea5a96-4b10-49fb-8cb4-be45e70ae2cd/content
Was sie schon immer über freie Radios wissen wollten, aber nicht zu fragen wagten https://www.booklooker.de/B%C3%BCcher/Angebote/autor=Christoph+Busch&titel=Was+Sie+schon+immer+%C3%BCber+Freie+Radios+wissen+wollten
Frequenzbesetzer Arbeitsbuch für ein anderes Radio https://www.booklooker.de/B%C3%BCcher/Angebote/isbn=3499177323
Panel von Jan Bönkost aus dem Jahr 2022 https://www.community-media.net/100-jahre-versuche-fuer-freies-radio/
Bremen archivbremen.de
Hamburger Bewegungsarchiv https://asb.nadir.org
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00:00:02: Besser Wissen, der Podcast von Golem.de.
00:00:05: Hallo und herzlich willkommen zu einer weiteren Ausgabe.
00:00:07: Mein Name ist Martin Wolf und ich bin Podcastbeauftragter von Golem.de und ich befinde mich in Bremen im Infoladen in der St.
00:00:14: Pauli Straße.
00:00:16: Wir zeichnen dieses Intro zum zweiten Mal auf, weil es leichte Thromprobleme gab, weil nämlich Jan Bönkost, der mich hier der mich hier eingeladen hat, dass wir hier im Infoladen sitzen können.
00:00:26: Hallo, Jan.
00:00:27: Hi.
00:00:28: Jan ist, wie ich, mit ein bisschen Bart gesegnet.
00:00:31: Und als er sich dann eine Weile hin und her bewegt hat, habe ich beim Abhören gleich gehört, dass es raschelt.
00:00:36: Also, Jan ist natürlich Bart an der Küste.
00:00:41: Du bist auch ein Küstengewächs.
00:00:43: Du hast einen Küstennamen, also schon irgendwie, aber es passt alles zusammen, oder nicht?
00:00:47: Ja, das ist ein bisschen Klischee jetzt, von jemand, der von weiter weg kommt.
00:00:51: Das ist der Punkt an Leuten, die von weiter weg kommen, dass sie hat so einen Blick auf so eine Sache von außen haben.
00:00:55: Ich habe doch der Fahrt hierher überlegt, Jan ist aber Kuxhafen.
00:00:58: Ich kann mich an Jan Kux erinnern, ne?
00:00:59: Das
00:00:59: stimmt, das ist da so eine Touri-Figur.
00:01:01: Er
00:01:02: greift nicht mehr, wahrscheinlich in den Achtzigern.
00:01:04: Doch, ich glaube, sie gibt es immer noch.
00:01:05: Echt?
00:01:05: Ja, das ist ja hier alles abgeheiftert am Meer.
00:01:08: So siehst du, und wer hat hier die Vorurteilung?
00:01:13: In meiner Generation gibt es den Namen relativ häufig.
00:01:17: Manchmal macht man so Witze hier hingegen.
00:01:20: Wenn du nicht weißt, wie jemand heißt, dann ist es Jan.
00:01:23: Oder im Zweifelsfall gibt es in jeder Gruppe aus fünf Menschen zwei Jans.
00:01:29: Jetzt sagt mir bitte, dass ich falsch liege.
00:01:30: Es ist doch gar nicht so verkehrt.
00:01:32: Wo du falsch liegst, wir sind hier nicht am Meer.
00:01:34: Wir sind
00:01:35: nicht an der Küste.
00:01:35: Das ist noch eine Stunde weg.
00:01:37: Jetzt können wir nämlich zu Bremen.
00:01:39: Das ist eine super Überleitung.
00:01:41: Auf dem Weg hierher vom Bahnhof habe ich festgestellt, dass zwar der Bahnungsvorplatz jetzt nicht besonders erwähnenswert ist, weder negativ noch positiv würde ich sagen, in diesem Fall ausnahmsweise, was wahrscheinlich eher positiv ist bei meinen Bewertungssystemen.
00:01:53: Aber wenn man ein paar Meter weiter läuft, kommt man in einem wunderschönen Park, der ein kleines Gewässer hat, was sich durchschlägt mit Enten und allem und was man sich so wünschen kann.
00:02:01: Und dann geht der hoch zu so einem Wall, wo die alte Altstadt war.
00:02:06: Ja, da sind wir dran entlang gegangen.
00:02:08: Genau.
00:02:09: Also bist du Bremer?
00:02:11: Ich komme aus dem Umland ursprünglich.
00:02:14: Bin zum Studium nach Bremen gekommen.
00:02:18: Also dann in die große Stadt nebenan gezogen.
00:02:21: Hab zwischendurch versucht, mal auch das Weite zu suchen.
00:02:24: Das hat aber nicht geklappt.
00:02:26: Das hört sich jetzt aber so fatalistisch an.
00:02:28: Erzähl mal bitte von deinem Versuch, das Weite zu suchen.
00:02:30: Ach, ich hab in meinem ersten Studium Medieninformatik Beziehungsweise heute nennt es sich digitale Medien studiert.
00:02:40: Das war schon ein Bachelor-Abschluss, obwohl es die Bologna-Reform noch gar nicht gab.
00:02:45: Aber es sollte so international ausgerichtet sein, deswegen haben sie das gemacht an der Uni.
00:02:50: Und als ich das fertig hatte, hatte ich keinen Bock mehr darauf.
00:02:55: Ich wollte noch mal wissenschaftlich studieren.
00:02:57: Das war mir eine sehr praktisch orientierte Ausbildung.
00:03:02: Und dann habe ich mich deutschlandweit auf kommunikationswissenschaftliche Studiengänge beworben.
00:03:06: Bin aber, weil ich vorher Medieninformatik, digitale Medien studiert habe, nirgendwo genommen worden.
00:03:11: Wir haben alle gesagt, das ist nix halbes und nix ganzes.
00:03:14: Da brauchst du gar nicht ankommen.
00:03:15: Und hier Universitätsintern in Bremen war das einfacher für mich dann in einem Masterstudiengang noch unterzukommen.
00:03:24: Der hieß Medienkultur und ist so eine... angloamerikanische Spielart der Kommunikationswissenschaften.
00:03:31: Also sehr kalt und studieslastig.
00:03:34: Das ist auch der Punkt, wieso ich auf dich gestoßen bin.
00:03:36: Nämlich eine Arbeit, an der du noch immer arbeitest, die sich mit dem heutigen Thema beschäftigt.
00:03:42: Aber ist das noch im Rahmen deines Studiums oder ist das jetzt schon das Studium abgeschlossen?
00:03:48: Nein, das meine Promotion jetzt.
00:03:49: Das ist ich seit Jahren zu politischen Piratensendernforschen.
00:03:55: Und genau darüber, weil du dich dazu auch ab und zu mal äußerst in verschiedenen Medien, bin ich irgendwie auf dich geschossen und dachte, ach, dann fahre ich jetzt mal nach Bremen.
00:04:02: Also dann haben wir natürlich ein Vorgespräch gemacht und fahren wir jetzt nach Bremen.
00:04:05: Und du hast doch gleich schon das Thema gesagt, Piratensender.
00:04:07: Aus dieser Zeit vor allem politisch motiviertet Piratensender eine Sache, die es, meine ich, derzeit in Deutschland eigentlich nicht mehr gibt, oder?
00:04:17: Nicht, dass ich das wüsste.
00:04:18: Also tatsächlich, für mich ist das historisch.
00:04:24: Also ich beschäftige mich vor allen Dingen mit einem Zeitraum der Siebziger, Achtziger Jahren, in denen die Menschen, die da politisch motiviert Radio gemacht haben, selber schon den begrifffreien Radiobewegungen geprägt haben.
00:04:38: Also es ist die Zeit, in der der begrifffreies Radio entstanden ist.
00:04:42: Das war ganz selbstverständlich linkes Radio.
00:04:46: Wenn wir näher in die Gegenwart kommen, dann würde mir einfallen, dass es in der Coronazeit so hin und wieder mal kleine Pressemeldungen gab, dass aus dem Corona-Leugner- und Schwurbler-Milieu Leute von zu Hause in Piratensenderbetrieben haben, weil sie sich so provoziert gefühlt haben.
00:05:09: Das waren aber kleine private Angelegenheiten, die dann recht schnell auch beendet waren.
00:05:15: Ja, weil jetzt sind die ja auch Experten für Russlandwissenschaften gefahren.
00:05:19: Ja.
00:05:19: Und die müssen ja auch nicht mehr drinnen sitzen,
00:05:21: können jetzt rausgehen.
00:05:22: Ja,
00:05:22: natürlich.
00:05:25: Weil jetzt fällt mir gerade ein Aufruf, wenn jemand noch Piratensender kennt, welcher Art auch immer, Podcast at gulm.de.
00:05:31: bitte einfach melden, dann höre ich da mal rein.
00:05:33: Und apropos Reinhören, schönes Vorgespräch hatten wir und am Ende oder gleich schon am Anfang, glaube ich, hast du gesagt, weil ich habe dich natürlich angefragt per Mail vorher und dann habe ich natürlich links geschickt.
00:05:43: Und da habe ich mir notiert, findet Podcasts furchtbar, sind für die Individualisierung von Radio machen, also das Podcast, das sind von abgeschotteten Menschen für abgeschottete Menschen.
00:05:54: So liebe Zuhörerschaft, da wissen wir jetzt alle, wo wir stehen, also sowohl ich als auch ihr.
00:06:00: Ich verstehe aber komplett den Punkt.
00:06:01: Und ich bin selber auch Teil von einem freien Radio gewesen, in den zehner Jahren, ab dem... Irgendwann, glaube ich, war es im Jahr twohundnein.
00:06:12: So habe ich beim Freien Radio in Potsdam mitgemacht.
00:06:14: Das gibt es auch immer noch.
00:06:15: Kann man hören.
00:06:16: Achtundachtzigvier teilt sich die Frequenz, glaube ich, mit den Berlinern in irgendeiner Form und auch Inhalte oder so.
00:06:22: Und im Internet kann man, ich weiß nicht, eine Webseite.
00:06:24: Sie haben bestimmt eine Webseite, aber damals ging es nicht, dass man das darüber hören konnte.
00:06:28: Hast du mal bei Freiem Radio mitgemacht oder hinter die Kulissen geguckt oder sowas?
00:06:33: Jetzt in den Rahmen meiner Forschung ist tatsächlich da auch immer mal wieder Praxis daraus entstanden.
00:06:38: Aber vorher Wir waren ja schon dabei.
00:06:42: Ich komme so ein bisschen aus dem Bremer Umland.
00:06:45: In den neunziger Jahren ist in Bremen ein offener Kanal eingerichtet worden von der Landesmedienanstalt.
00:06:53: Also so ein bisschen, wenn man das historisch und politisch betrachtet, das... staatliche Gegenmodell zu den damaligen freien Radios, um das politisch einzufangen
00:07:02: und
00:07:02: zu entpolitisieren, was da Leute gemacht haben.
00:07:05: Dieser offene Kanal hatte auch Umlandstudio.
00:07:08: Das ist was, was wir damals wahrgenommen haben, dass man da Radio machen konnte als Jugendliche.
00:07:16: Aber das war uns viel zu uncool.
00:07:19: Ja, eindeutig.
00:07:20: Offene Kanäle, ich kann mich auch als Kind oder Jugendlicher gucken, sich das an und denken, was ist denn da los?
00:07:23: Ja.
00:07:24: Wenn man mit der Fernbedingung irgendwie auf den falschen Knopf gekommen ist, Berlin hat auch einen Offenkanal.
00:07:27: Am Radio ist gar nicht wahrgenommen.
00:07:28: Das finde ich eigentlich erstaunlich.
00:07:30: Hast du als Kind Radio gehört viel?
00:07:33: Ich glaube schon, ja.
00:07:34: Also spätestens, als ich mein Konformationsgeld in eine Stereoanlage investiert hatte, hatte ich die in meinem Zimmer.
00:07:43: Und natürlich hat Musik da eine große Rolle gespielt, die auch von CDs damals dann kamen.
00:07:48: Aber Radio gehörte schon dazu, zum Aufwachsen.
00:07:51: Ja, weil als ich... So jung war, gab es ja keine CDs.
00:07:57: Und Kassetten im Osten waren Goldstaub.
00:07:59: Kassettenrekorder, also alles, was so eine Technikrichtung ging, war extrem teuer.
00:08:04: Es waren viele andere Dinge, waren total billig.
00:08:08: So was war wirklich teuer.
00:08:10: Und genau, wie gesagt, das Konfirmationsgeld, da haben wir uns im Osten dann Jugendweiher, aber da war ich noch zu früh dran.
00:08:15: Also das waren noch weinen noch nicht so weit, aber da hat man üblicherweise sich auch dann seinen Kassettenrekorder gekauft, aber der kostete dann keine Ahnung, was das Tauendfünfundant mag oder sowas.
00:08:24: Echt extrem viel Geld war.
00:08:26: Und Radius waren aber nicht so teuer.
00:08:28: Und ich hatte als Kind schon Radio.
00:08:30: wirklich viel Zeit vor dem Radio verbracht.
00:08:32: Also jetzt auch nicht nur wegen der Musik, sondern einfach weil mich das fasziniert hat, dass da irgendwie was rauskam und man ein eigenes Ding hatte, was dann halt so die Musik abgespielt hat.
00:08:42: Naja, klar.
00:08:42: Also ich erinnere mich zum Beispiel daran, ich habe noch Musik aus dem Radio auch aufgenommen auf
00:08:46: der Seite,
00:08:48: weil man ja nicht anders rangekommen ist.
00:08:51: Mit dem begrenzten Taschengeld.
00:08:55: Gab ja auch nicht in jedem Dorf einen Plattenladen.
00:08:57: Musste es ja immer in die Stadt fahren.
00:09:00: Und da musstest du dich erst mal auskennen.
00:09:02: Also, da war Radio schon, glaube ich, wichtig.
00:09:06: Ich habe eine Zeit lang so Comedy-Formate, die es damals gab im Radio, glaube ich, auch gehört.
00:09:12: Also, da gab es von hier Radio Bremen eben was.
00:09:16: Das haben wir ziemlich abgefeiert.
00:09:17: Heute ist das sehr peinlich, wenn man...
00:09:19: Sag mal einen Namen.
00:09:20: Mal sehen, ob ich mich dran erinnere.
00:09:22: Ist das der Fischmeier?
00:09:24: Nee.
00:09:26: Nee, Radio Bremen-Ninziger, das war die Nullnummer.
00:09:29: Okay, nee.
00:09:31: Es gab bei uns in Berliner Umland Radio I und Fritz und alles Mögliche.
00:09:38: Und da gab es auch so eine Sonntags-Sendung, die alle gehört haben, die auch so Comedy betont war.
00:09:46: Und ich dachte, dass die aus dem Norden kämen, die Leute ursprünglich.
00:09:51: Original-Deutschmacher ist so ein Ding von Radio Bremen gewesen.
00:09:54: Das waren zwei Radimoderatoren, die haben dann irgendwann angefangen.
00:10:00: Die haben englische Hits ins deutsche übersetzt und dann eine neue Eingesung total schräg.
00:10:08: Und manchmal auch richtig schlecht.
00:10:12: Aber damals als Jugendliche ... Hat uns das irgendwie erfasst?
00:10:17: Ich verspeche lieber zu, wir kommen gleich zum Thema.
00:10:19: Aber da fehlt mir noch mehr.
00:10:20: Das sind alles Sachen, die dann so auftauchen.
00:10:22: Wischmeier, Kalkhofe, das waren so die Leute, die damals da, das sieht Sonntagsradio, ich verlinke das.
00:10:27: Und ich verlinke, ich habe mir gerade auch einen Marker gesetzt, ich verlinke auch das, was du gerade gesagt hast, das sei hundert pro Auftechnung von dem Internet.
00:10:34: Na ja, wieso?
00:10:35: Wir haben es ja nicht gemacht, uns muss nicht peinlich sein.
00:10:37: Ich habe später
00:10:37: in der Informatik dann mit jemandem studiert, der, glaube ich, eine wichtige Rolle in ... der einen Fanclub gespielt hat.
00:10:43: Es
00:10:43: gab einen Fanclub, okay.
00:10:44: Ja, die Webseite gibt's noch, glaube ich.
00:10:48: There you go.
00:10:49: Und nochmal Marker, einfach mal diesen Link rauszusuchen und zu gucken, ... ... wenn wir da irgendwie ... ... also was wir aber definitiv damit jetzt doch ... ... etabliert haben, ist das Radio eine viel größere Rolle ... ... damals gespielt hat.
00:10:59: Und ansonsten mit dem Aufnehmen natürlich, ... ... das war ein Ding, ... ... und im Osten kam noch der Zusatz Winzen.
00:11:03: Plattenladen irgendwo gab, da hatte der garantiert nicht die Platten, die du haben wolltest.
00:11:07: So, da hast du halt aus dem Westrad den Kram aufgenommen und ich kann mich aber erinnern, dass ein Freund von mir eine Radio besaß mit einem Mikrofon dran und da haben wir unsere eigenen Sendungen aufgenommen als Kinder oder das probiert in dem Kram.
00:11:19: Also ich nehme an, dass das jetzt auch nicht wesentlich schlechter ist als das, was ich heute mache, aber ja, der Punkt bleibt bestehen.
00:11:27: Also ich, was man daran aber auch merkt, ist, dass es einen Bedürfnis gibt, glaube ich, bei vielen Leuten das selbst zu machen, selbst die Inhalte zu bestimmen und in die Hand zu nehmen.
00:11:39: Also ob es jetzt per Kassettenaufnahme ist oder eben, wenn man sich eine eigene Radiosendung, vielleicht jetzt nicht nur als Kind oder Jugendlicher, so selber zusammenstellen will.
00:11:48: Aber das war gar nicht mal der Ausgangspunkt oder der Hintergrund von den Piratenradius, um dies heute gehen soll, sondern das war eine klar politische Geschichte.
00:11:58: Wie kam man denn auf die Idee, statt Flyern oder solchen Sachen, die man kleines Teen ganz einfach verteilen kann, irgendwie ohne Spuren zu hinterlassen, jetzt ein Radiosender zu machen.
00:12:08: Und wann hat das angefangen?
00:12:09: Genau, diese linken politischen Radiosender, die sich dann selber Freiradis genannt haben, sind entstanden im Laufe der siebziger Jahre.
00:12:18: Also eigentlich im Zuge der neuen sozialen Bewegung und im Zuge der Alternativmedien.
00:12:32: wo man allen Jüngeren sagen muss, ja, das war auch mal was Linkes.
00:12:36: Der Begriff ist heute oder hat sich gewandelt in den letzten zehn Jahren.
00:12:42: Das merke ich auch immer, wenn ich mit Jüngeren Menschen spreche und sage, ah, du machst was irgendwie mit Rechtsextremismus.
00:12:48: Also nein, Alternativmedien gegen Öffentlichkeit war in den Siebziger, Achtziger Jahren auch noch so, wie ich das in den Neunzigern oder zweitausend dann kennengelernt habe.
00:12:56: Das war was originär Linkes.
00:13:00: Und da sind Leute unterwegs gewesen, muss ihr vorstellen, ne?
00:13:06: Siebziger Jahre oder Anfangssebziger Jahre K-Gruppe, ne?
00:13:09: Die Revolution ist nur noch zehn Jahre entfernt, orientieren sich an China oder sonst wo.
00:13:16: Und stehen morgens um fünf vorm Werkstor, verteilen Zeitungen, Flugblätter, interessiert niemand,
00:13:23: ne?
00:13:25: gab natürlich eine große Szene, ein großes Linkes, Milieu, viel Subkultur, in dem ein großes gemeinsames Identitätsgefühl herrschte, glaube ich, anders als es heute auch der Fall ist.
00:13:37: Also auch aufgrund dieser Vision, wir können diese Gesellschaft verändern.
00:13:43: Es ist, glaube ich, mehr zusammengelaufen, als es heute passiert.
00:13:49: Und da haben aber immer wieder auch Leute gemerkt, Oder so das Gefühl gehabt, wir haben unsere Kreise und aus denen kommen wir nicht raus.
00:13:57: Und Radio versprach das sonst ein Stück weit.
00:14:04: Also die Vorstellung war, damit erreichen wir Leute, die unsere Flugblätter nie nehmen, die unsere Zeitungen nicht kaufen, die unsere Plakate nicht angucken, die das doof finden, wenn wir was an die Wand sprühen.
00:14:19: In der Art und Radio hat jeder zu Hause.
00:14:21: Wir müssen also nur senden und dann sind wir bei denen im Wohnzimmer.
00:14:25: Das war so ein bisschen die naive Vorstellung davon.
00:14:27: Also letztendlich ging es darum mit einer relativ einfachen Technik eine wahnsinnig große Reichweite zu bekommen.
00:14:40: Ein weiterer Punkt ist gewesen, Radio hat ja eine unglaubliche Geschwindigkeit.
00:14:46: Also du sprichst hier was rein und zehn Kilometer weiter bei UKW, kommt das sofort wieder raus.
00:14:53: Also muss nicht vorher in Druckerei aufgesucht werden und dann holt das zwei Tage später ab und guckst dann, ob du in zehn Kilometern da, ob da irgendwo noch eine Kneipe ist, wo man was auslegen kann, sondern zack und ist da.
00:15:05: Also eine unmittelbare Kommunikation.
00:15:09: Und der nächste Punkt war, es ging auf einmal um Sprache und nicht um Schrift.
00:15:17: Das heißt, die Hoffnung war, dass die Hürde das zu nutzen, sowohl in der Produktion wie in der Rezeption, also Radio machen, Radio hören, dass die viel geringer ist, als wenn jemand zu dir kommt und sagt, ach, das ist ja, was du da erlebst, das ist ja eine Unverschämtheit, hast du schon mal überlegt, ein Artikel zu schreiben?
00:15:39: Nee, guck mal hier, das Mikrofon.
00:15:41: oder hast du wahrscheinlich zu Hause?
00:15:43: an deinem Gerät, nimm doch einfach mal fünf Minuten auf Kassette auf, schmeiß das bei uns rein, wir senden das.
00:15:48: Wir finden das wichtig.
00:15:51: Genau.
00:15:52: Und natürlich, weil du jetzt schon da meine Haltung zu Podcasts als Medienformat angesprochen hast, war die große Vision, einen Ort der Kommunikation zu schaffen.
00:16:09: Also es ging ganz wesentlich darum, dass Menschen zusammenfinden und, also jetzt mal so idealistisch gesagt, gemeinsam ins Gespräch kommen, feststellen, sie haben gleiche oder ähnliche Probleme und zusammen überlegen können, wie werden wir stärker um Lösungen zu finden.
00:16:30: Also es ging nicht darum, dass jeder privat sein eigenes Radio macht.
00:16:33: Es gab schon die Aufrufe, schafft zwei, drei viele Radios.
00:16:38: Aber letztendlich ging es um diesen kommunikativen und auch sozialen Ort des Radios, wo Sachen zusammenlaufen.
00:16:45: Wie muss man sich das vorstellen?
00:16:47: Auch wenn du sagst, das ist relativ technisch relativ einfach.
00:16:49: Trotzdem brauchst du Leute, die wissen, wie man so ein Sender zusammenbaut.
00:16:52: Das ist jetzt kein und vor allen Dingen in den Siebzigerjahren.
00:16:56: Auch selbst später, man hätte auch in den Neunzigerjahren wahrscheinlich neunzig Prozent der Leute fragen können, wie funktioniert denn eigentlich dein Radio?
00:17:02: Und die hätten das ja nicht erklären können.
00:17:03: Und das ist nur der Empfänger.
00:17:05: Das ist ja so ein Sender und so weiter.
00:17:09: Mag gesehen, dass man die Teile braucht und das auch ordentlich zusammenschrauben muss oder so.
00:17:14: Wo kam das technische Know-how her?
00:17:17: Also, was ich gemerkt habe im Gespräch mit Leuten, die da damals dabei gewesen sind und auch technisch affin waren oder technische Rollen übernommen haben ist, Das sind zum Teil Menschen gewesen, die haben schon mit dreizehn, vierzehn angefangen, mit so Technik-Baukästen zu basteln, weil sie sich dafür interessiert haben.
00:17:38: Ich weiß nicht, wie es bei dir in deiner Jugend war, ich erinnere mich daran.
00:17:42: Also zumindest gab sie noch in der Spielzeugabteilung, baue dir deinen eigenen Radio-Empfänger zusammen.
00:17:47: Das stand natürlich irgendwo, baue dir einen Sender, aber der Unterschied ist dann nicht mehr so groß.
00:17:52: Also auf jeden Fall gab es da durchaus Leute, die eben schon im jünglichen Alter einfach mit Hochfrequenztechnik aus dem Baukasten so ein bisschen gespielt haben.
00:18:05: Vieles mussten sich Leute aneignen, das waren dann auch immer schwierige Prozesse.
00:18:13: Gab es so zwei Herangehensweisen, das eine ist, wenn es irgendwo eine Radiogruppe gab.
00:18:18: die sich dann Klanistin zusammengefunden hat, wo Leute das Gefühl hatten, ich habe das technisch drauf, das sind in der Regel ein, zwei gewesen.
00:18:25: Das waren nie die ganze Gruppe, die dann gebastelt hat.
00:18:30: Dann haben die eben selber versucht, für ihr Radio ihre Technik herzustellen.
00:18:36: Und da damals kursierten dann auch irgendwann Bauanleitung in linken Veröffentlichungen.
00:18:44: Es gab es ohne Ende, manchmal mit Fehlern und wenn es nicht richtig wusste, dass sie die Fehler reproduziert und irgendwann aufgegeben.
00:18:52: Es gab aber auch kleine Technikgruppen, die eigentlich Sender am Fließband gebaut haben, könnte man fast sagen.
00:19:03: Manches kam dann aus dem Ausland, also Vorbild war sowieso für vieles damals Italien, womit er der Siebziger das Rundfunkmonopol gefallen war und da konnte es so legal in Laden gehen sagen, ich brauch ein Sender.
00:19:14: Dann hast du den gekriegt, ging hier in der BRD damals natürlich nicht.
00:19:19: Aber dann gab es in verschiedenen Städten kleine Gruppen, die haben gebastelt und gebastelt und da konnte man, wenn man wusste, dass es die gibt, hinfahren, hat ein bisschen Geld mitgebracht und ist dann mit zwei Sendern wieder nach Hause gefahren.
00:19:34: Also du weißt das alles, falls wir es am Anfang jetzt nicht so klar gesagt haben, weil das eben Teil deiner wissenschaftlichen Arbeit ist und war, mit Leuten, mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen zu reden und sie zu befragen und natürlich auch Literatur zu sichten, wie das damals so war.
00:19:50: Gibt es, kann ich jetzt gleich schon mal nachfragen, weil da könnten wir links setzen, so eine Art Standardwerk, wo man jetzt schon mal sagen kann, okay, wenn Leute sich dafür mehr interessieren sollten, sind wir versuchen, das zu bekommen.
00:19:58: Also ich habe mir hier notiert, Kurt Weichler, die anderen Medien, ist das so ein Guter Ansatzpunkt?
00:20:06: Ja, eingeschränkt.
00:20:06: Also ich würde sagen, das Standardwerk, das hoffe ich ja zu schreiben.
00:20:10: Ja,
00:20:11: wenn dieser Podcast also rauskommt, dann nehme ich also an, ich kann den Link sitzen auf der... Also
00:20:16: es ist tatsächlich so, dass diese Geschichte der freien Radios, vor allen Dingen ihre illegale Entstehungsgeschichte bisher nicht umfangreich erforscht ist, weil es immer im Schatten stattgefunden hat, der Alternativpresse.
00:20:30: Also, siebziger, achtziger Jahre, da gab es ja in jeder Stand mehrere linke Zeitungen, die manchmal wöchentlich, manchmal monatlich, manchmal unregelmäßig erschienen sind.
00:20:44: Das war ja das, was damals linke Milieus einfach zusammengehalten hat.
00:20:51: Das war eine unglaubliche Fülle an Linker, linksradikaler Publicistik.
00:20:58: Und viele solcher linker Zeitungsmachenden sind dann auch irgendwann zu den Radioprojekten gekommen oder haben die mit aufgebaut in der Illegalität, weil sie sagten, das wäre auch noch was Schönes.
00:21:10: Aber trotzdem ist das immer so ein bisschen im Schatten dieser Alternativpresse abgelaufen.
00:21:17: Und muss man dann auch ehrlicherweise sagen, hat bis auf bestimmte Ausnahmen nie eine ähnliche Relevanz entwickelt.
00:21:25: Na und ist wahrscheinlich auch mich ansatzweise so gut aktiviert
00:21:29: worden.
00:21:30: Großes Problem natürlich, weil illegal.
00:21:34: niemand wollte eine Kassette, die für ein illegales Radio hergestellt wurde, bei sich zu Hause haben, wenn die Hausdurchsuchung ansteht.
00:21:42: Das ist völlig klar.
00:21:45: Also ich habe einigen Aufwandbetrieben, um an so originale Sendematerial ranzukommen, wusste aber am Anfang auch gar nicht, was ich denn da auffinden werde und in welchem Umfang.
00:21:56: Und natürlich ist es, wenn man das vergleicht mit dem, was tatsächlich alles passiert ist, wie viel gesendet wurde, es ist nur ein Bruchteil, aber es ist schon sehr eindrucksvoll, was man daraus ziehen kann.
00:22:07: Es ist sowieso ein super spannendes Thema.
00:22:09: Und wie du gerade sagst, wenn es tatsächlich noch kein Werk gibt, dass das so in der Tiefe mal wirklich einzeln beleuchtet als singuläres Thema oder so, ist das natürlich auch ein knaller Thema dafür, das selber so zu machen.
00:22:21: Gibt's da so bei dir Sachen, wo du gesagt hast, okay, krass, das hat mich total überrascht?
00:22:25: Oder da habe ich, ich meine, wahrscheinlich findet man andauert irgendwelche Dinge, von denen man findet, dass die wichtig sind, dass die mit rein müssten, dass die irgendwie eine spezielle Geschichte haben.
00:22:33: Muder?
00:22:36: Ja, vielleicht wundert es mich auf der Ebene so ein bisschen, weil es ja bis heute freie Radios gibt, legalisiert, in einem Bundesverband organisiert und
00:22:49: ich
00:22:49: finde es dann wieder, oder immer wieder so im Kontakt mit heutigen freien Radiomachenden überraschend, wie wenig die über ihre eigene Geschichte wissen.
00:23:01: Ist vollkommen richtig, also ich habe mich auch null.
00:23:03: Ich war damit beschäftigt, das freie Radio zu machen und da technisch involviert zu sein.
00:23:08: Das war ein Großteil meiner Aufgabe.
00:23:10: Ich habe dann auch mitbekommen, dass es da Kooperationen gibt mit anderen oder so.
00:23:13: und da dachte ich, naja, das klingt schon und sieht schon alles auch so aus, als ob das eine längere Historie hätte über diese, sag ich jetzt mal, zweitausende oder so hinaus.
00:23:21: Aber... Ja, klar.
00:23:23: Wahrscheinlich, wenn man so drinsteckt und das selber gerade macht, dann hat man wenig Impetus oder so zu sagen, okay, wo kommt das jetzt eigentlich alles her?
00:23:30: Aber ja, das soll deine Arbeit ja dann ändern.
00:23:34: Was sich vielleicht lohnt, was man auch schnell, wenn man gerade mal so ein Podcast wird, nebenbei machen kann, ist, mal im Internet zu gucken oder unter anderesradio.de
00:23:45: Verlegt mir das schon
00:23:46: noch.
00:23:47: Ja, das ist eine Webseite, die Ich und andere vor zwei Jahren erstellt haben im Rahmen einer Veranstaltungsreihe, die wir zum hundertjährigen Jubiläum des Mediums Radio in Deutschland gemacht haben.
00:24:03: Und damit tauchen wir wieder ab in die Geschichte.
00:24:06: Es gab neben den Freien Radius natürlich noch andere Piratenradios, also speziell die Niederlande, Großbritannien und so weiter, waren dafür berühmt, dass es kommerzielle Piratenradius gab.
00:24:20: Also da war das ja Teil der Bewegung der, wie du gerade gesagt hast, in ganz vielen europäischen Ländern war das radium monopolisiert staatlich organisiert, also beziehungsweise eben so, dass man einfach Einrichtungen wie hier die öffentlich-rechtlichen Sender, wie man sie heute nennt.
00:24:36: und um dem entgegenzuwirken, gab es dann halt auch so Piratenradius.
00:24:40: Gab es da eine Überschneidung?
00:24:41: Weil ich kann mir vorstellen, wenn Leute in die Wohnzimmer, in die Küchen von anderen Leuten wollen, um die revolutionären Inhalte zu vermitteln.
00:24:50: Dann ist so eine Ansprache von einer Viertelstunde, vielleicht jetzt nicht das, was die Leute jetzt direkt abholt.
00:24:55: Haben die so ein Unterhaltungsteil mit drin gehabt, gab es da irgendwie Schnittmengen zu diesen anderen Piratenradis, die ja eigentlich mehr damit dann nur Unterhaltungsangebot eigentlich hatten?
00:25:07: Also, weil du die großen Säbchen oder großen und bekannten Seepiratensender auf der Nordsee angesprochen hast.
00:25:14: Die haben ja noch mal früher existiert, also das heißt die direkten Verbindungen dahin waren nicht da, aber natürlich für die Menschen damals war das schon stark präsent, dass es sowas gegeben hat.
00:25:29: Das Problem bei illegalem Radio, das du vom Land aus gemacht hast, das dann auch noch politisch so provozierend ist, dass der Staat alles in Bewegung setzt, um nicht zu finden, war, dass viele nur fünfzehn Minuten gesendet haben.
00:25:46: Und das dann manchmal auch von drei unterschiedlichen Standorten.
00:25:50: Das heißt, alle fünf Minuten wurde der Sender gewechselt, die mit Uhr zusammengeschaltet waren, dass die pünktlich anspringen und aber auch wieder ausgehen, damit es kein weiteres Trägersignal gibt, das noch gepeilt werden kann.
00:26:02: Und in diesen fünfzehn Minuten war schon die Frage, Was macht man da, was den Aufwand und die Gefährdung der Beteiligten rechtfertigt?
00:26:11: Und deswegen ist das ein sehr, sehr politisches Radio gewesen, sehr stark von von linken Inhalten geprägt.
00:26:21: Musik hat da eher eine untergeordnete Rolle gespielt.
00:26:25: Das ist den durchaus auch vorgehalten worden und werde ich mich jetzt zum Beispiel an Radio Dreikland in Freiburg erinnern.
00:26:35: Die haben die wunderbare Situation gehabt, die konnten der Verfolgung ein Stück weit ausweichen, wenn nicht da sie fast ganz umgehen, indem sie einfach über die Grenze in der Frankreich gegangen sind, wo freies Radio zum damaligen Zeitpunkt dann aus bestimmten Gründen kaum verfolgt worden ist.
00:26:59: Die konnten also viel länger senden und da verändert sich dann auch ein Programm.
00:27:02: natürlich vom Inhalt her.
00:27:05: Und die Freiburger, da hatte ich ein Gespräch mit Personen, die haben auch ganz klar gesagt, der Erfolg ihres Radios, dass es bis heute eigentlich auch so in der Stadt oder in einer Region verankert ist, lag daran, weil sich da eine politische Szene, eine linke politische Szene auch mit einer Kulturszene verbunden hat und im Radio beides Raum bekommen hat.
00:27:26: Und das hat dann Einfach ein viel größeres Interesse am Radio nochmal ausgelöst.
00:27:33: Und hat sich ein viel größerer Kreis auch mit dem Radio identifizieren können.
00:27:38: Wie sah denn das jetzt für die Hörerschaft aus?
00:27:40: Haben die existierende, populäre Kanäle überlagert oder haben die sie in eine Frequenz gesucht?
00:27:48: Weil dann hast du ja das Problem, wieso sollten Omi und Opie jetzt am Sonntag um zwölf und vierzig das Radio auf exakt diese Frequenz einstellen und dann fünfzehn Minuten lang einen Aufruf zur Revolution präsentiert zu bekommen.
00:28:04: Wie haben Sie das gemacht?
00:28:05: Ja, ganz unterschiedlich.
00:28:06: Also in dem Sinne war freies Radio in der Gründerzeit auch eigentlich viel mehr als das, was es heute ist in diesem legalen Rahmen.
00:28:17: Also der erste Unterschied ist halt eben, es gab keinen Vierundzwanzig Sieben-Programm, sondern Radiosendung zu bestimmten Momenten mit begrenzter Zeit.
00:28:28: Das große Problem war, wie kündigen wir das an?
00:28:32: Das lief über übliche Szenekanäle damals, das wurde in Kneipen plakatiert, das wurden Flugblätter verteilt.
00:28:42: Es wurde ein Hauswende gesprüht, natürlich wurde in der Presse drüber berichtet, auch das hat geholfen.
00:28:49: Da war am Anfang schon bei vielen der Versuch, wir müssen das schaffen, auch eine Regelmäßigkeit hinzukriegen, damit sich Leute daran erinnern.
00:28:57: Also hier in Bremen zum Beispiel, das Radio, das hat am Anfang zweiwöchentlich gesendet und dann haben sie bemerkt, da vergessen immer alle, ist es heute die Woche in der gesendet wird oder nicht?
00:29:07: und deswegen haben sie umgestellt auf einwöchentlich.
00:29:10: Und dann hat man sich so Termine gesucht wie abends vor den Fernsehenachrichten.
00:29:18: damit Leute zu Hause sind.
00:29:20: Schon in so einem Modus.
00:29:21: Jetzt will ich mich noch mal informieren.
00:29:23: Bevor ich ein Fernseher anmache, mache ich vielleicht noch mal das Radio an.
00:29:28: Aber es gab auch ganz bewusst andere Versuche, wo man nicht eine eigene Frequenz gewählt hat.
00:29:34: Da muss man noch mal dazusagen, auch über hundert Megahertz gab es damals halt nichts.
00:29:40: weil es nur eine begrenzte Anzahl von öffentlich-rechtlicher Radiosenderheit gab.
00:29:44: Das heißt, über hundert Megahertz war ungenutzt und da sind dann die Radiopiraten reingegangen.
00:29:50: Aber es gab immer wieder auch Momente und manche Radiogruppen, haben das zum Konzept für sich erhoben, diese öffentlich-rechtlichen Frequenzen zu überlagern.
00:29:59: Das ist technisch anspruchsvoller, weil Man sich schnell vorstellen kann, so ein öffentlich-rechtlicher Sendeturm hat eine ganz andere Leistung als ein selbstgebauter Sender, den man auf ein Dachboden trägt.
00:30:11: Das heißt, die Reichweite war dann eben entsprechend geringer.
00:30:17: Aber das war die Idee, originär in das Radio hören, der Leute direkt reinzukommen, damit die eben nicht am Rate drehen müssen, am Radio.
00:30:28: Das wurde zu bestimmten Anlässen häufig gemacht.
00:30:32: Oder auch, da fällt gerade eine Sendung ein, von der mir Menschen, ich glaube, was wir aus Frankfurt erzählt haben, die haben dann im Feierabendverkehr, wenn in Frankfurt Stau war, dann haben sie sich auf den Verkehrsfunk eingeschaltet und haben eine Sendung über das Recht auf Faulheit ausgestrahlt.
00:30:54: Ehrlich gesagt, als ich mal darüber nachgesagt habe.
00:30:58: Ich bitte jetzt nicht Fragen zu stellen, warum man über so was nachdenkt.
00:31:01: Aber als ich mal darüber nachgedacht habe, einen Piratensender zu haben, zu einer Zeit, wo das lange längst nicht mehr irgendwie sinnvoll gewesen wäre, da hatte ich mir überlegt, man kauft in China so einen kleinen Transmitter, wie man den für Autoradius eine Zeit lang benutzt
00:31:21: hat,
00:31:21: wenn die so, die gab es in außerordentlich starken Versionen.
00:31:25: Also viel, viel stärker, als man annehmen würde, dass sie legal sein dürften.
00:31:29: Wenn man das mit einem MP-III-Player koppelt und an einer Kreuzung an einer Belebten in den Papierkopf schmeißt und dann eine populäre Frequenz überlagert, dann hat man sein Publikum.
00:31:42: Perfekt, ne?
00:31:43: Oder?
00:31:44: Und ich meine, heutzutage ist natürlich alles sehr, sehr preiswert.
00:31:46: Damals, du hast gerade gesagt, wir haben also eine Situation, in der schlimmstenfalls drei Sender mit einer Zeitschaltuhr an ausgehen müssen, die verteilt sind, strategisch, die jemand dahin stellen muss, die jemand dann vielleicht wieder abholen muss, wenn sie nicht beschlagnahmt wurden oder was auch immer, wo die Bänder eingelegt werden müssen.
00:32:10: Also da ist schon ein bisschen auch das viel, viel mehr aufwärmt dahinter, weil die Bestandteile natürlich auch teurer sind als ein MP-III-Player und ein chinesischer Transmitter, die man für unter zehn Euro wahrscheinlich ab einem bestimmten Zeitpunkt bekäme.
00:32:23: Damals war das aber viel mehr Geld.
00:32:24: Das ist ja auch eine Investition.
00:32:26: Hat das so funktioniert?
00:32:27: Konnten die die dann auch wieder zurückerobern und mitnehmen oder sind die oft verloren gegangen?
00:32:31: oder war das gar nicht so schlimm?
00:32:34: Das ist unterschiedlich.
00:32:35: Und das war tatsächlich auch für die Radiogruppen herantasten.
00:32:38: Wie reagiert denn Staat darauf?
00:32:40: Wie reagieren die Verfolgungsbehörden darauf?
00:32:42: Es haben einige Radiogruppen in verschiedenen Städten Experimente gemacht, dass sie eine ganz lange Kassette aufgenommen haben, die dann auch im Zweifel nochmal in der Endlussschleife weiter lief oder bis die Batterie halt leer war.
00:32:58: Dann haben sie die Sendung angekündigt, die begannen auch und ein paar Leute waren so in der Umgebung postiert, haben geguckt, was passiert, wie lange dauert das bis tatsächlich Polizei kommt und dann die damals zuständigen Postpfeiler.
00:33:13: Also wie lange brauchen die?
00:33:15: Und das waren natürlich Sender, die bewusst geopfert wurden.
00:33:20: Es gab auch sogenannte Wegwerfsender, kleine Sender, die dann so in Anführungsstrichen, so billig oder so häufig selbst gebaut worden sind, dass es darauf angelegt wurde, wir senden jetzt so lange wie es geht.
00:33:37: Wir sind nicht mehr dabei, das alles automatisiert gewesen.
00:33:42: Und dann hoffen wir, dass es möglichst lang dauert.
00:33:44: Der Sender ist weg, ist egal.
00:33:46: Wir haben noch ein paar in Petto.
00:33:50: Es gab auch Radio-Gruppen, die haben einen Sender gehabt und als er weg war, war das Projekt hinüber.
00:33:55: Und andere Gruppen, die ein bisschen stärker aufgestellt waren, die hatten dann sowieso eine umfangreichere Technik auch für unterschiedliche Situationen, mal für live, mal für Vorproduktionen, also Kassetten abspielen.
00:34:11: Also sowas, den konntest du eigentlich dann auf der technischen Seite nichts an haben.
00:34:18: Na ja gut, also in die Frage stelle ich auch deshalb, weil deine Arbeit sich spezifisch mit dem Zeitabschnitt zwischen seventy-fünf und achtzig beschäftigt.
00:34:27: Da ist technologisch eine Menge passiert.
00:34:29: Sein seventy-fünf reden wir über nicht meistens nicht über kleine Kassetten einfach, sondern über Tonbankgeräte teilweise ja noch.
00:34:37: Das ist ein ganz schön großer Apparat, der dann da irgendwo stehen
00:34:40: muss.
00:34:42: Wohingegen natürlich fünfundachtzig, wahrscheinlich alles von kleinen Kompakt-Kassetten
00:34:46: kam.
00:34:47: Genau, also es gab ein paar Vorläufer, achtundsechzig, so aus dem SDS-Umfeld, da das auch schon mit Piratenradio experimentiert worden, am Rande war sehr unbedreutend letztendlich.
00:35:01: Die mussten dann irgendwie den ganzen Kofferraum ausräumen, um da ihren Radiosender samt Tonbandgerät oder so reinzupacken.
00:35:09: Die, genau so die Generation, oben in den Neunzeiten.
00:35:16: Das kenne ich nur noch von einem Sender, die tatsächlich mit Tonband angefangen haben.
00:35:20: Ansonsten war das alles schon Kassette.
00:35:22: Da wurde schon darauf geachtet, dass es auch möglichst mobil ist, weil die teilweise dann auch, das ist vielleicht noch so eine weitere Nutzung, die es dann viel gab.
00:35:33: Also die waren in Aktionen beteiligt.
00:35:34: Das heißt, die haben dann einen Rucksack mit Autobatterie, Autoradio und Sender dabei gehabt.
00:35:43: Und die Antenne war irgendwie in den Bundeswehrparker reingedreht und gemudelt.
00:35:50: Und dann sind sie so in Prokdorf auf der Demo gewesen und haben Demofunk gemacht.
00:35:57: Wo das Ganze dann plötzlich einen praktischen Aspekt bekommt, wenn nämlich die Information von Teilnehmenden auf so einer Demo, wenn die natürlich einen kleinen Radioempfänger dann dabei haben, dann können die live häusen, okay, hier kommt die Polizei, da passiert das und das, sammelt alle da oder so.
00:36:10: Dafür wurde das genutzt, ne?
00:36:11: Absolut, genau.
00:36:12: Das waren unterschiedliche Ideen für dieses Radio letztendlich, das eine eben, wir wollen so eine Art alternatives Stadtradio haben.
00:36:23: Das sollte also so ein unabhängiges Lokalmedium sein, dass das in der Regel überall fehlte.
00:36:30: Und überlagert wurde das eben ganz stark auch von der Idee, Radio für politische Bewegung zu nutzen, die damals eben stark war.
00:36:39: Und daran haben sich auch an den Momenten, die es dann gab im Positiven, haben sich viele orientiert und gesagt, so wollen wir Radio machen.
00:36:47: Also Stichwort ist, Die Räumung des Dorfes Tausendvier in Gorleben.
00:36:54: Als das geräumt wurde, also republikfreies Wendland.
00:36:57: Begriff ist vielleicht noch ein bisschen geläufiger.
00:36:59: Ich sage jetzt mal alles dazu.
00:37:01: Ich mache noch eine Notiz.
00:37:02: Schonos, klar.
00:37:04: Alles Anti-Atomkraft-Bewegung.
00:37:06: Genau.
00:37:09: Also da, wo in Gorleben das Endlager mal gebaut werden sollte, als die mit den ersten Probebohrungen angefangen haben, kam es zur großen Besetzung eines dieser Bohrplätze.
00:37:19: Und das wurde nach einem Monat geräumt, glaube ich, einem der bis dato größten Polizeieinsätze der BRD-Geschichte.
00:37:28: Und da haben Leute aus Freiburg, die mit Radio Wert fessen haben, dem späteren Radio Dreikland, schon Erfahrung gesammelt haben, sich eingesetzt.
00:37:37: Mensch, hier müssen wir auch irgendwie in diesem Dorf, das wir bauen, einen Rundfunk haben.
00:37:42: Und zur Räumung ist dann die anwesende Presse des Platzes verwiesen worden von den Einsatzkräften und stattdessen hat oder ausschließlich dann noch das radiofreies Wendland sieben Stunden live von der Räumung berichtet.
00:37:58: Die Leute saßen da mittendrin und haben sozusagen die Perspektive der Protestierenden ausgestrahlt.
00:38:10: Für damalige Verhältnisse ist es völlig undenkbar, dass sowas im bestehenden Rundfunk passiert und hat die Leute angetrieben, an vielen Orten sowas auch zu machen.
00:38:21: Das war, also ich meine, ich habe mir jetzt notiert, dass du im Vorgespräch gesagt hast, so zwei in achtzig Runden war so der Höhepunkt dieser ganzen Bewegung.
00:38:31: Das war... Korrigier mich in die Fallschliege.
00:38:33: Oder auch Leute, die zuhören können mich korrigieren, podcast.gulm.de.
00:38:36: Ich bin ja auch der Fehlerkulturbeauftragte bei gulm.de.
00:38:40: Das war noch mal so ein neuer, diese Anti-Atomkraftbewegung war noch mal so ein neuer Schnittpunkt.
00:38:46: Politisierung der Jugend.
00:38:48: Das waren ja nicht unbedingt alles die Gleisen, die achten sechzig,
00:38:53: siebzig
00:38:54: oder so schon gegen den Strom geschwommen sind, sondern das waren ja teilweise Leute, die gar nicht mal so einen, ich sag jetzt mal, gewaltvollen, was auch immer Umsturz gefordert haben, sondern die waren ja teilweise irgendwie auch verankert in der Gesellschaft, ein bisschen alternativ, aber jetzt nicht wirklich, das ist nicht die RAF oder auch nicht, das ist jetzt nicht die Generation, die den Vietnamkrieg jetzt unbedingt so... dadurch politisiert wurde.
00:39:23: Das sind ja noch mal andere junge Leute.
00:39:25: Das
00:39:25: ist eine nächste politische Generation gewesen.
00:39:29: Klar, die haben auf die Achtundsechziger zurückgeblickt, wie auf rote Großväter.
00:39:34: Hatten auch entsprechende Konflikte mit denen natürlich, weil sie sich von dem Ballas, der da noch von Achtundsechzig über war, freikämpfen wollten.
00:39:45: Und also grundsätzlich dieses Phänomen neue soziale Bewegung, das ist ja auch als Abkehr von abendsechzig oder der folgenden K-Gruppenphase entstanden, so als neue undokmatische, anti-autoritäre Linke.
00:39:57: So muss man das einordnen.
00:40:00: Das heißt, das war auch eine Politikform, die es vorher so einfach gar nicht gegeben hat.
00:40:04: Wir organisieren uns in autonomen Gruppen, in Bürgerinitiativen, in Projekten.
00:40:10: Leute, die sich dafür interessieren, denen empfehle ich gerne, lesen wir die Verfassungsschutzberichte von damals.
00:40:14: Das ist lustig, wie wieder staatliche Organe nicht in der Lage sind, mit diesen neuen Formen das Politikmachen zu überhaupt umzugehen.
00:40:22: Die können das gar nicht greifen.
00:40:23: Das ist ja bis heute teilweise so, wenn man denkt, ihr sucht jetzt wieder einen Anführer, gibt es doch gar nicht.
00:40:30: Das ist ja auch die Gründungszeit von so Bewegung wie dem CCC.
00:40:34: Das ist alles, die grünen und so weiter und so fort.
00:40:36: Es tut mir leid, weil ich jetzt am Anfang hatte ich irgendwie immer die ganze Zeit noch diese Assoziation, die machen dann, die verlesen da das kommunistische Manifest und die Maubi wird verteilt, ist natürlich quatsch, war ja gar nicht.
00:40:45: Das ist ja davor gewesen, das waren Leute, die anders drauf, also komplett grundsätzlich anders drauf waren, als diese, wie du sagst, die roten Großeltern da, ja.
00:40:55: Ja, und aber... Wenn zweiundachtzig so ein bisschen der Höhepunkt war, kann man sagen, wie vieles davon gab es so, Bundesseite?
00:41:04: Ist überhaupt eine Schätzung möglich?
00:41:08: Ja, ich
00:41:09: glaube, abschließend ist das sicherlich relativ schwer, weil vieles im verborgenen Ablief und es auch Radioprojekte gab, die dann nie übers Versuchsstadung hinausgeraten sind.
00:41:23: Also ich habe mittlerweile eine Liste von, ich sag mal so, Roundabout-Hundert-Sendernamen für die Achtzigerjahre, wo Radius dabei sind, die es gerade zu einem Namen geschafft haben.
00:41:40: Die haben eine Probesendung gemacht und dann war vorbei.
00:41:42: Da sind aber auch Radiosender dabei, die mehrere Jahre lang am Stück illegal gesendet haben, ohne auch nur einmal Fisch zu werden.
00:41:51: Und sind es Tests, Leute, die du auch nachgefunden hast?
00:41:52: Können die dann noch so ein bisschen aus der alten Zeit erzählen?
00:41:54: Ja, auch.
00:41:56: Ja, diese Treffen sind immer wahnsinnig eindrucksvoll natürlich, weil das aus so einer politisch aufgeladenen Zeit kam, wo es also in meinem Empfinden für Menschen um viel mehr ging und sie sich auch viel mehr getraut haben.
00:42:08: Das finde ich auch, wenn man sowas akademisch betreibt, in die Vergangenheit guckt, muss man sich ja immer rechtfertigen.
00:42:15: oder finde ich, so geht es mir, warum mache ich das fast für eine Relevanz, hat das eigentlich für uns heute.
00:42:19: Und das ist so ein Punkt, wo ich denke, man muss vielleicht heute gar nicht mehr unbedingt ums Radio machen reden, auch wenn ich das schön finde.
00:42:26: und Radio immer noch wertschätzt und glaube, das kann eine wichtige Rolle in der demokratischen Gesellschaft haben.
00:42:32: Aber wo man gucken kann, was hat Menschen damals eigentlich dazu gebracht, illegal politisches Radio zu machen?
00:42:40: Und was ist das, was wir heute machen und warum?
00:42:45: Also ich verstehe überhaupt nicht, wie man darüber diskutieren kann, weil das ist Zeitgeschichte und sie sollte dokumentiert sein.
00:42:50: Also ich meine, das ist ja nun mal.
00:42:52: Also das ist dann entscheidender Punkt, dessen, dass man einen Blick in den Alltag, in das, was die Leute damals mitgetrieben hat, werfen kann, um das zu sehen.
00:43:02: Und klar, manche Sachen findet man vielleicht heute lustig, aber es gibt auch ganz viele Sachen, wo man sich denkt, so wie du gerade sagst,
00:43:09: das
00:43:09: hatte schon auch seinen Punkt.
00:43:12: Also klar war es eine andere Zeit und man kann solche Sachen nicht
00:43:16: in
00:43:16: aktuelle Zeiten holen, aber darüber nachzudenken, was das für Bewertungen waren oder die Kontexte oder so und wie die Leute damals gefühlt haben, soweit sind die als auch nicht entfernt.
00:43:25: Nein und ich finde auch, um mal so ein paar Beispiele zu bringen, also sich mit der Zeit damals auch mit dieser Idee von alternativer Öffentlichkeit zu beschäftigen, da muss man letztendlich auch auf medientheoretische Grundlagen schauen.
00:43:43: Also was hatten die?
00:43:43: eine Idee von gesellschaftlicher Kommunikation?
00:43:47: Und die prägt, glaube ich, häufig noch aus so einem kritischen Blick, den es heute gibt.
00:43:55: Gleichzeitig haben wir völlig andere Medienkonstellationen, also so ein bisschen polemisch würde man sagen.
00:44:04: Damals war die Idee, alle sollen miteinander sprechen, also jeder soll zu Wort kommen können und alle sollen miteinander sprechen können.
00:44:11: Das haben wir heute, war irgendwie scheiße, hat nicht funktioniert, hat uns nicht ins Paradies geführt, aber dann kann man anfangen sich das Differenzierter anzuschauen.
00:44:21: Was war wirklich denn ideal?
00:44:25: Ich frage auch Leute von damals, wie findet ihr das denn heute?
00:44:27: Das finde ich
00:44:28: auch interessant.
00:44:28: Das
00:44:29: ist total interessant, was dann rauskommt.
00:44:30: Was sagen die so?
00:44:32: Ja, die finden das.
00:44:34: Interessanterweise sind viele heute angetan vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk, weil sie sagen, der hat sich verändert.
00:44:41: Aber die ganze Welt von Social Media und Messenger und so, das finden die meisten gruselig.
00:44:48: Das ist natürlich in unterschiedlichen Facetten, das kommt ja auch auf die weitere biografische Entwicklung der letzten Jahrzehnte an, aber so von dem Ideal ausgesehen von damals.
00:44:59: Wir sagen da Leute, alles was wir im Schlimmsten erträumt haben, ist eingetreten.
00:45:04: Na ja gut, aber man muss mal dazu sagen, dass das natürlich auch das ist, was die Leute oftmals ja freiwillig wählen.
00:45:09: Weil also Social Media ist finde ich ein ganz schlechtes Beispiel, weil da ja im Moment die Tendenz herrscht, dass dir der Algorithmus sagt, was du bitteschön jetzt zu sehen hast.
00:45:21: Ich würde ein Forum als Vergleich nehmen.
00:45:25: Einfaches Internetforum, ganz basic.
00:45:28: Und das ist das.
00:45:30: Das ist doch der Knaller.
00:45:31: Das ist absolut die Freiheit.
00:45:33: Und man kann sich da ja auch anonym anmelden und was schreiben.
00:45:37: Ich meine, dass die Leute dann total ein Quatsch da reinschreiben, weil sie im Gegensatz zum Radio nicht direkt vor der Tür stehen müssen mit der Kassette oder irgendwie in einem Mikrofon sprechen müssen als Person und sich vielleicht dann ein bisschen der soziale Druck da mal ein bisschen höher ist, sondern dass die das einfach da reinklären können, okay, geschenkt.
00:45:51: Aber ich meine eher so was.
00:45:52: Ich würde jetzt nicht, ich würde auf gar keinen Fall ein kommerzielles Unternehmen, das dann mit der Aufregung von Leuten irgendwie Geld verdient, jetzt damit gleichsetzen, was ein freies Medien, wie auch immer freies Medien ist, weil ist es nicht.
00:46:06: Das ist ganz sicherlich nicht.
00:46:09: Aber...
00:46:10: Also ganz klar, in der Idee von linken Alternativmedien, da ging es um die Kontrolle der Produktionsmittel und den Abbau von Medienmacht.
00:46:22: So, und das haben wir.
00:46:24: Du hast in der Tasche vermutlich so eine Kiste, die ein Video aufnimmt, ein Foto macht und mit der du das irgendwo hoch.
00:46:30: und da musst du nicht mal eine Plattform nehmen, die einem von den Giganten hört, sondern du kannst ja selber eine aufbauen.
00:46:35: Kraft deiner Wassersuppe ist das tatsächlich mit ein paar Klicks möglich und sehr, sehr preiswert.
00:46:39: oder man findet Leute oder so.
00:46:41: Und diese Möglichkeiten, diese Demokratisierung ist doch passiert.
00:46:44: Ja, Mikrofon haben alle.
00:46:45: Vor einer Woche war hier in Bremen noch ein Haus besetzt von ganz tollen, jungen Leuten.
00:46:50: Die haben vor allen Dingen über Instagram kommuniziert.
00:46:54: Gott.
00:46:58: Ja klar gibt's die Möglichkeiten.
00:46:59: Man kann sich das technisch alles gut vorstellen, aber es wird ja nicht so genutzt.
00:47:04: Und genauso wird... Also freies Radio ist ja jetzt auch nicht heute das Maß der Dinge, wie sich die Leute das damals vorgestellt haben.
00:47:11: Also um das noch mal weiter zu rahmen, so zeithistorisch.
00:47:18: Das gesamte Rundfunksystem ist heute eigentlich ein Ergebnis von einer Debatte der Siebziger, Achtziger Jahre.
00:47:26: Als irgendwann klar war, dass das öffentlich-rechtliche Monopol ist, nicht zu halten, weil sich eine Gesellschaft auf eine bestimmte Art und Weise liberalisiert und massiv von der CDU dann forciert, weil sie gehofft haben von Privat-Sendern, können sie politisch profitieren, weil die durch Unternehmertum wieder näher an ihnen dran sind.
00:47:48: Ich habe gerade überlegt, wo ich diese Info her hatte.
00:47:51: Und jetzt sehe ich gerade, dass ich mir notiert habe, dass es auch eine so schräge Geschichte, das ausgerechnet die CDU, das öffentlich-rechtliche Sendamunipol durchschlagen möchte, um selber davon zu profitieren von Stimmen, die dann nochmal dann anderen Gegengewicht, so damals SPD geführen, wir erinnern uns, gab man da SPD, alleinige SPD-Regionen.
00:48:12: So,
00:48:13: um denen was entgegenzusetzen, haben sie sich gedacht, wir suchen uns ein paar Geldsäcke, die ein privates Fernsehen machen.
00:48:19: Die freuen sich, weil sie Werbung machen und Klette machen.
00:48:21: Und wir kommen zu Wort oder beziehungsweise keine Ahnung.
00:48:26: Warum sollten diese privaten Leute, die dann Fernsehen machen, die CDU zu Wort kommen lassen, treiben?
00:48:30: Das war in der Anfangszeit, also das ist nichts, was ich jetzt im Detail überblicke, wie das wieder sozusagen die Unternehmenslandschaft entstanden ist.
00:48:38: Aber es waren häufig Verleger.
00:48:40: ... die dann aus dem Zeitungsmarkt heraushauen, ... ... mit dem Radio- und Fernsehmarkt expandiert sind.
00:48:47: Und ... ... der fortschrittliche Verleger gab's damals, ... ... dann, glaube ich, nur begrenzt.
00:48:55: Und die auch noch genügend Geld hatten, ... ... um den Fernsehdiener aufzumachen.
00:48:59: Wo wir wieder bei der Demokratisierung ... ... und der Produktionsmedien sind, ... ... tatsächlich hat der technische Fortschrift ... ... das hat er geschafft.
00:49:06: Jede Person kann heute eine Videokamera haben.
00:49:09: Radio, im Sinne von den Mikrofonen.
00:49:11: Also, all solche Sachen, was heute uns so total selbstverständlich erscheint, war damals nicht selbstverständlich.
00:49:17: Also, man abgesehen davon, dass man den Kram noch verkabeln muss, ist das tatsächlich trotzdem immer noch ein substanzieller Aufwand, selbst in den Achtziger.
00:49:23: Ja.
00:49:23: Also, wenn du von Leuten sprichst, aus der damaligen Zeit, dann würden die wahrscheinlich sagen, Ja, die Voraussetzungen haben sich insofern komplett gedreht, dass wir damals nicht an alle Informationen rangekommen sind, an die wir rankommen wollten.
00:49:41: Und heute wirst du überschüttet und also heute gibt es einen Auswahlproblem.
00:49:47: Und ich denke immer, es wird halt nur noch geschrien und das Problem ist heute eher, dass niemand mehr zuhört.
00:49:54: Und diese Idee damals des Zusammenkommens, wir wollen eine gemeinsame gesellschaftspolitische Debatte bei den freien Radios und im lokalen Rahmen.
00:50:03: Das war wichtig in der Lebenswelt der Menschen.
00:50:05: Die wollen wir führen und da sollen möglichst viele Leute daran beteiligt sein, als von irgendwas Betroffener.
00:50:14: Das ist was, was du, genau, also da musst du, glaube ich, ein bisschen nachdenken, wie man das denn mit heutigen medientechnischen Mitteln überhaupt abbilden wollen würde.
00:50:24: Ich glaube, das, wie gesagt, ich glaube nicht, dass man das hier jetzt reinholen kann.
00:50:28: Es muss dann wieder was anderes sein.
00:50:29: Es wird wieder was anderes sein.
00:50:31: Ich glaube nicht, dass man das irgendwie transportieren kann.
00:50:33: Das hat ja vorher auch schon nicht so richtig funktioniert.
00:50:37: Es gibt keine Fernsehsendung in den Büchern.
00:50:39: Seiten ungeblättert werden.
00:50:40: Was guckt im Grund?
00:50:42: Weißt du, was ich meine?
00:50:43: Es wird ja irgendwie nahe liegen, ist auch so schön visuell.
00:50:46: Okay, wir kommen mal zur anderen Seite, nämlich die andere Seite ist die Staatsmacht.
00:50:49: Was hat denn die Polizei konkret gemacht?
00:50:51: Was weiß man denn?
00:50:52: Gab's da so irgendwie dann die großen Erfolge, die dann in der Zeitung gefeiert wurden?
00:50:57: Wir haben hier so ein Nest an Radiopiraten ausgehoben, oder wie sah das aus?
00:51:03: Ja, die haben, ich glaube, man kann schon sagen, die haben alles in Bewegung gesetzt, was sie in Bewegung setzen konnten.
00:51:07: ... jedenfalls eine bestimmte Weile, ... ... bis sie dann ... ... das jetzt erst mal zusammenfassen, ... ... also bis sie gemerkt haben, ... ... okay, durch unsere Repression ... ... drängen wir ... ... diese illegalen linken Radios eigentlich in der Nische, ... ... in der sie nicht die politische Relevanz ... ... entfalten, die sie gerne haben wollen ... ... und vor der wir auch Angst haben.
00:51:35: So, und dann ... wurde der Umgang damit auch ein bisschen zu Verena irgendwann.
00:51:41: Aber in den frühen Jahren da wurde schon, also Rundfunk wurde abgehört grundsätzlich, sobald dann Es irgendwo Informationen gab.
00:51:56: Die Linke Presse wurde standardmäßig in jeder Polizeidienststelle durchgeblättert nach Auffälligkeiten.
00:52:03: Und wenn da plötzlich drin stand, Piratensender am Sohn zu fielten, um wie viel Uhr auch immer, dann wurde das an die entsprechenden Stellen weitergegeben.
00:52:13: Da wurde generell dann sofort der Staatsschutz eingeschaltet wegen dem politischen Charakter.
00:52:22: Und dann ging es darum, das abzuhören, das mitzuschneiden, das zu peilen, die Beteiligten ausfindig zu machen.
00:52:29: Das war deswegen wichtig.
00:52:31: Die mussten in Flagranti erwischt werden, weil es quer Fernanlagengesetz damals nicht an das bestraft werden konnte.
00:52:41: Das Betreiben eines illegalen Radiosenders war nämlich verboten.
00:52:45: Das heißt,
00:52:46: du musstest die Betreiber finden und sie mussten halt gerade betreiben.
00:52:50: Das reichte nicht, wenn jemand mit einem Radiosender, den man zwar auch nicht besitzen durfte, aber einfach über die Ampel geht.
00:52:58: Und sozusagen auf dem Weg zum Sendeort oder vom Sendeort weg.
00:53:02: Das war schon doof.
00:53:05: Aber das war nicht so leicht dann zu ahnden.
00:53:08: Da war dann nur eine Beschlagnahme möglich, nehme ich mal ein.
00:53:10: Das haben Sie ja oft gerne.
00:53:11: Ja, genau, das wurde beschlagnahmt.
00:53:13: Natürlich, ich meine, letztendlich geht es darum, also in so einem Moment geht es natürlich dann immer darum, wie wild geworden sind gerade die Einsatzkräfte.
00:53:21: Machen Sie dann noch eine Hausdurchsuchung, das gab es dann häufiger, dann wurden halt Aufkleber zu Hause beschlagnahmt und was auch immer.
00:53:30: Und natürlich waren damit Namen dann ein Stück weit bekannt.
00:53:34: Das ist dann natürlich der Nachteil gewesen.
00:53:37: Aber es ging viel darum, die Leute in Flagranti zu erwischen und dafür zu sorgen, dass die halt nicht mehr senden.
00:53:46: Das heißt auch eben, Technik einzuziehen.
00:53:50: Wo das nicht geklappt hat, ist man dann häufig dazu übergegangen, das Umfeld zu kriminalisieren oder auch so Behauptungen aufzustellen.
00:54:04: Wenn jetzt jemand eine Kassette bespielt, weil die in einem illegalen Radio gesendet werden soll, dann ist das ja Beihilfe zu einer Straftat, also auch Strafbewert.
00:54:16: Das ließ sich juristisch über die Jahre, in denen es dann zu Prozessen kam, so nicht halten in der Form.
00:54:22: Es gab auch ein Staatsanwalt, Das war in Bayern, der sich damit hervorgetan hat, dass er die Auffassung vertrat.
00:54:33: Das Hören von illegalen Sendern ist strafbar.
00:54:36: Da denkt man auch gleich an, der ist gleich an, der ist gleich an, der ist gleich an, der ist gleich an, der ist gleich an, der ist gleich an, der ist gleich an, der ist gleich an, der ist gleich an, der ist gleich an, der ist gleich an, der ist gleich an, der ist gleich an, der ist gleich an, der ist gleich an, der ist gleich an, der ist gleich an, der ist gleich an, der ist gleich an, der ist gleich an, der ist gleich an, der ist gleich an, der ist gleich an, der ist gleich an, der ist gleich an, der ist gleich an, der ist gleich an, der ist gleich an, der ist gleich an, der ist gleich an, der ist gleich an, der ist gleich an, der ist gleich an, der ist gleich an, der ist gleich an, der ist gleich an.
00:54:55: Rechts gut achten.
00:54:57: Wie kann man damit umgehen?
00:54:58: Wie soll man damit umgehen?
00:54:59: Das wurde unter Verschluss gehalten, damit das niemand mitkriegt.
00:55:02: Und da kam dann eigentlich auch schnell raus, dass man nicht so viel Hand habe hat.
00:55:08: Deswegen ging es halt vor allen Dingen darum, irgendwie das hinzukriegen, dass die nicht mehr senden.
00:55:13: Und wenn man das Umfeld auch nicht klein gekriegt hat, dann ist es durchaus auch zum Einsatz von Störsern angekommen.
00:55:20: Was für die BRD vielleicht ein bisschen absurd klingt.
00:55:26: Das wurde auch nie offen zugegeben, aber da findest du schon in Akten, die in der Regel bis heute nicht zugänglich sind.
00:55:36: Es sei denn, man forscht dazu, dann kriegt sie Sondergenehmigung.
00:55:39: Gibt es deutliche Hinweise darauf, dass dann auch staatliche Stellen ganz bewusst für viel Geld Steuersender angeschafft haben, um diese illegal genutzten Frequenzen einfach zu überlagern.
00:55:50: Zwei Fragen.
00:55:50: Das erste ist staatliche Stellen, das ist dann nicht das Polizeirewirt, das ist der Fassungsschutz dann.
00:55:55: Nee, Verfassungsschutz ist es nicht, weil der beobachtet ja nur.
00:55:59: Also eine so eine Quelle, die ich habe, da fragt dann eine Polizeistelle an.
00:56:07: Beim Bundespostministerium dürfen wir eigentlich einen Störsender darüber legen.
00:56:13: Wo haben
00:56:13: die denn denn her?
00:56:14: Da antwortet das Bundespostministerium.
00:56:18: Also wir dürfen es nicht, wenn das eine andere Behörde macht, muss sie das mit sich selber ausmachen.
00:56:22: Also letztendlich, ich habe da auch jetzt keine Quellen, wo steht, die und die haben das gemacht, aber es ist offensichtlich, und die Radipiraten, die berichten auch davon, sie mussten aufhören, weil sie einen Störsender auf ihrer Frequenz hatten, gegen den sie nicht ankamen.
00:56:35: Also hier aus Bremen zum Beispiel habe ich eine Akte vom technischen Dienst der Polizei, zumindest mit Angeboten für Sendeanlagen, die als Störsender eignen, wo von privaten Unternehmen Angebote geschickt wurden.
00:56:47: Ja, nicht.
00:56:49: Genau.
00:56:51: So habe ich auch reagiert, weil das denkt man sich ja eher so für autoritäre Regime.
00:56:56: Und das
00:57:00: sieht das dann wirklich alleine kraftig?
00:57:02: Dann sitzt er in einer Position und sagt, guckt mal nachher, ob wir da nicht irgendwas kriegen.
00:57:06: Ja, die waren hilflos, die wussten auch nicht weiter und hatten wahrscheinlich sowohl den Auftrag wie auch das eigene Bestreben.
00:57:16: Das war auch ein Kulturkampf, muss man tatsächlich sehen.
00:57:18: Wie eine neue politische Linke gegen einen alten autoritären Staat mit seinen Strukturen.
00:57:26: Das war ja eine Provokation.
00:57:27: Ja, ist richtig.
00:57:28: Radiomachen und verbotener Weise.
00:57:30: Das geht nicht.
00:57:31: Es ist verboten in Deutschland.
00:57:33: Es ist verboten.
00:57:34: Und du weißt ja, was in Deutschland nicht erlaubt ist, ist halt verboten.
00:57:40: Apropos verboten, das ist die zweite Frage.
00:57:42: Was waren denn Sachen, die den Leuten dräuten, wenn sie denn in Flagranti erwischt wurden?
00:57:47: Gab's da Haftstrafen?
00:57:48: Was waren die Haftstrafen?
00:57:51: Das Damoklesschwert, das über allen hing, war die Höchststrafe von fünf Jahren Gefängnis.
00:57:59: Natürlich steht dahinter immer oder Geldstrafe.
00:58:01: Und in der Regel ist es zu Geldstrafen gekommen, mal drei, mal vierstellig.
00:58:11: Da gab es dann der Soliparty oder sowieso einen Soliphon, der das übernommen hat.
00:58:17: Das hat niemand in Ruinen getrieben.
00:58:21: Es gab mal eine Person, das höchste, was ich in meinen Recherchen dann rausgefunden habe.
00:58:28: Die saß sechs Monate in Untersuchungshaft, typischerweise dann auch wieder in München.
00:58:35: Die hatte nicht mal einen fertigen Sender.
00:58:38: Das war ein Mensch.
00:58:39: Der hat sich technische Bauteile besorgt, um einen Sender zu bauen, war am Basteln und ist dann festgenommen worden.
00:58:48: Den haben sie erst nach sechs Monaten wieder rausgelassen.
00:58:52: Der ist nachher zu neun Monaten auf Bewährung verurteilt worden.
00:58:57: Und der Richter hat das alles aber damit begründet, dass man mal bei dieser um sich greifenden politischen Piraterie ein generalpräventives Urteil bräuchten.
00:59:09: Das funktioniert super, Exempel statuieren.
00:59:11: Andere, weil dritte Frage, wenn die Polizei das aufgezeichnet hat, ist das nicht für dich eine Möglichkeit, an Aufzeichnung ranzukommen?
00:59:17: Also ich meine, wenn der Staat mitgezeichnet ist, das ist doch wenigstens, was hat doch die ganze Sache dann gut ist, wenn man dann deren Tapes findet oder so?
00:59:24: Ja, habe ich teilweise auch gedacht, das ist in der Regel längst vernichtet.
00:59:29: Das ist halt so, als erwarten kann man und verschwindet irgendwann.
00:59:34: Ja, also, dann ist ja auch.
00:59:36: Also, nun gut.
00:59:39: Okay, das heißt, du bist angewiesen auf schriftliche Zeugnisse aus der Zeit, die du, wie du gesagt hast, wenn man dazu forscht, dann hat man da auch ein Privileg, mehr hinter den Vorhang zu gucken und ich meine da, die Sachen ja eher alle verjährt.
00:59:52: sind und die Leute sich heute fragen radio was ist es sowieso so?
00:59:56: ein bisschen natürlich so eine Sache.
00:59:58: aber klar wenn ein großes schild drauf steht bis zwei tausend sieben und zwanzig zu versiegelt zu lassen kommt man natürlich auch nicht ran.
01:00:05: wie ist das so?
01:00:05: deine erfahrung?
01:00:07: also ich nehme mal an dass sie oder ich habe jetzt deinen ausführungen die leute die das gemacht haben sind offenbar wahrscheinlich eher ziemlich offen und reden gerne auch über die Zeit.
01:00:16: Wie ist das auf der staatlichen Seite?
01:00:17: Gibt es da auch vielleicht Leute, die in Archiven sitzen, sagen, oh, ist es aber schön, dass ich mal mit jemandem beschäftigt oder gibt es da einfach gar kein Feedback und man gibt dann kommentalos irgendwas rüber?
01:00:26: Also zunächst mal bei den Beteiligten, die die ich getroffen habe, mit denen ich gesprochen habe, die sind ja nach Regel schon sehr offen, aber du merkst teilweise auch, wo sie Grenzen haben.
01:00:38: Also natürlich war das, was sie da als illegales Radio gemacht haben, eingebettet in den Rest ihrer politischen Aktivitäten damals.
01:00:47: Und da merkt man in Gesprächen schon, dass sie an manchen Stellen schweigsam werden oder mitunter auch sagen, darüber möchte ich jetzt nicht reden.
01:00:59: Und natürlich gibt es Menschen, die auch ich angefragt habe oder kontaktiert habe, die dann nicht reagiert haben und über die Gründe kann ich noch spekulieren.
01:01:07: Bei einem weiß ich es, der ist glaube ich heute Unternehmensberater, der hat nie reagiert auf meine Anfragen.
01:01:11: Da kommt natürlich sofort das Klischeebild, der hat mit seiner Geschichte gebrochen und will nicht mehr darüber reden oder was auch immer, ist natürlich nur eine Vermutung.
01:01:25: Und das hat auch, wie die auf mich reagieren, hat auch viel damit zu tun, ob sie heute noch politisch engagiert sind.
01:01:33: Also wenn das für sie tatsächlich auch biografische Vergangenheit ist, dann sind sie häufig mittlerweile in einem Alter gewesen, bei den Treffen, dass es für sie so eigene Aufarbeitung ist.
01:01:46: Also für sich selber auch nochmal ins Denken und ins Reden kommen.
01:01:49: Bei Menschen, die heute noch eine linke politische Praxis haben, ist es manchmal schwieriger.
01:01:57: Wieso?
01:01:58: Also ich meine, das mit der biografischen, das kann ich mir total gut vorstellen.
01:02:00: Und wieso ist es bei den Aktiven dann schwieriger?
01:02:05: Ja, weil die heute noch einen gewissen Umgang mit politischen Themen dann in der linken Szene gewohnt sind, wo sie sagen, okay, ich bin bereit mit dir zu reden, aber ich kann auch nicht über Dinge von anderen reden.
01:02:20: Also ich hatte mal einen Fall, wo dann jemand auch gesagt hat, naja, weißt du, Wenn wir dir jetzt H-Klein erzählen, wie wir es damals gemacht haben, dann kann ja heute der Start, also immer der Start, das ist natürlich ein bisschen vereinfacht, aber dann kann ihr auch Rückschlüsse auf unsere Strukturen kriegen.
01:02:37: Und gerade wenn du überlegst in den großen linken Metropolen damals.
01:02:43: Da reichte die Radio-Bewegung von den Entstehenden Grünen bis an den Rand der Stadt-Geräuer.
01:02:47: Das heißt, das war auch verwoben mit Sachen, wo tatsächlich heute manchmal noch Dinge ungeklärt sind.
01:02:52: Okay, dann kommen wir doch zur Richtung RF.
01:02:54: Das ist schon recht.
01:02:55: Klar, es gab ja auch noch.
01:02:56: Also es war weniger RF.
01:02:58: Sagen
01:02:58: in der dritten Generation
01:02:59: oder was auch immer.
01:03:00: Ja, okay, aber klar, Stadt-Geräuer und
01:03:02: Leute, die
01:03:02: sich wirklich dann in den Gewalt berechnen.
01:03:06: Also in Berlin, eines der frühen Radios, ist auch von den Revolutionären Zellen genutzt worden für Sendung.
01:03:13: Also das so, die noch mal die Seite der Beteiligten, was die Quellenlage ansonsten angeht, gerade weil du nach Archiven uns so gefragt hast, das erlebe ich als absolute Willkür.
01:03:32: Also wirklich.
01:03:37: Da merkt man, wie viel Macht Archive und Archivarinnen haben.
01:03:42: Ich bin vor allen Dingen in Landesarchiven gewesen, weil auch rund von Politik Landespolitik ist.
01:03:51: Jedes Landesarchiv funktioniert anders und hat andere Regeln, aber sie können dir immer erklären, warum ihre Regeln die richtigen sind.
01:03:57: Und dann bist du vom Wohlwollen der Beschäftigten da, abhängig, ob sie dich unterstützen wollen oder nicht.
01:04:04: Oder bis zum extrem bayerisches Landesarchiv hat sich seit Jahren nicht auf meine Anfrage.
01:04:11: Bewegt.
01:04:11: Wir reagieren einfach nicht.
01:04:13: Ich habe angerufen, dann sagen sie, ja schreibt mal lieber eine Mail mit deiner Anfrage, habe ich eine Mail geschrieben, dann habe ich keine Reaktion gekriegt, habe ich wieder angerufen, dann wurde mir wieder gesagt, mail ist besser so.
01:04:24: Da bin ich so am ausgestreckten Arm irgendwie verhungert an der Stelle, obwohl Bayern sicherlich spannend gewesen wäre.
01:04:29: Ich würde sagen, es gab den klaren Bayern-Schlagseite in vielen Punkten und ich glaube, da ist es tatsächlich viel zu heben.
01:04:37: Und letztendlich sitzen die Leute da und werden sehr gerne bezahlt.
01:04:39: Dann soll sie bitte schön noch Auskunft geben, wenn die Dinge verheiratet sind.
01:04:41: Also finde ich schon ist da jetzt kein absolut... Überzeugende Anspruch?
01:04:47: Ja, ich habe es natürlich viel mit Polizei- und Justiz-Akten schnell zu tun.
01:04:51: Und da gibt es nochmal eine andere Handhabe, da wird ein bisschen strenger drauf geschaut.
01:04:55: Und so, die darf ich auch nicht selber, also die kann man nicht online recherchieren, dass es überhaupt gibt.
01:04:58: Da bin ich dann über so ein Nadelöhr angewiesen, dass dann Archivar für mich guckt, haben wir dazu überhaupt was.
01:05:04: Und dann hängt es viel auch ab und das ist sehr unterschiedlich, wie es in der Schließungsstand.
01:05:09: Also Berlin.
01:05:09: zum Beispiel hatte ich vor ein paar Jahren ein schönes Gespräch mit einer Archivarin, die mir sagte, Das tut mir leid, das ist bei uns kaum erschlossen.
01:05:22: Wir haben den politischen Auftrag erst mal aus Berlin jetzt zu machen.
01:05:27: Na ja gut, aber der kann ja wohl in Bayern nicht vorliegen.
01:05:29: Also das wäre jetzt ein bisschen merkwürdiger Ausrede.
01:05:32: Okay, versteh es und klar, die sind natürlich auch eng besetzt.
01:05:36: Aber das ist dann eben auch ein Aufruf, in die Richtung zu sagen, okay, da muss die Digitalisierung, das muss ja alles irgendwie auch passieren.
01:05:43: Also ich meine, wie lange soll das dauern?
01:05:44: Wenn wir in zwei Hundert Jahren dann darüber forschen, also, na ja, ist doch so.
01:05:50: Ich meine, Leute sitzen jetzt auch, ich verweise darauf, dass wir einen Podcast zum Landeshauptarchiv Potsdam haben.
01:05:56: Oh Gott, ich hoffe, ich habe das richtig gesagt.
01:05:58: Vielleicht heißt es auch Landes... Wir haben einen Podcast in diesem Archiv von Podcasts, der sich... Genau darum.
01:06:04: Und um ein Projekt zur Digitalisierung dort sich damit beschäftigt.
01:06:09: Wo es halt eben auch Ewigkeiten dauerte, bis dann natürlich eine Förderung oder irgendwas zustande kam, um da zu gucken.
01:06:16: Okay,
01:06:17: also das heißt aber trotzdem, du bleibst ja dran, du versuchst an das Material heranzukommen.
01:06:23: Hast du so einen Zwischen, so einen Wasserstand bei deiner Arbeit, wo du sagst, okay, ich fühle mich... ganz gut Richtung Ziel geraten, soweit du das umreißen kannst für das, was du vor hattest oder gibt es da noch große Lücken?
01:06:36: Wie sieht es da
01:06:36: aus?
01:06:38: Nein, ich habe im Prinzip mehr Material als ich verarbeiten kann.
01:06:43: Da können sich die Bayern wieder hinlegen.
01:06:48: dass das natürlich Fäden in ganz ganz viele verschiedene Richtungen hat und den kann man sehr intensiv nachgehen und auch ich habe mich in den letzten Jahren da bremsen müssen, dass ich das irgendwann nicht mehr mache, weil sonst väder man sich und wird ja nie fertig.
01:07:05: Aber trotzdem finde ich es nach wie vor interessant, weil es eben doch eine Umfang hat, also diese damalige illegale Radiopraxis.
01:07:16: dass auch ich nie alles werde überblicken können.
01:07:19: und wenn jetzt hier dann jemand zuhört sagt klar habe ich doch damals auch oder ich kenne noch jemand und meine alten Kassetten aus dem Keller vielleicht gehen die ja noch meldet euch sofort.
01:07:32: Na, super spannend.
01:07:33: Ihr habt gehört, diese Arbeit wird im Dezember jetzt noch abgeschlossen.
01:07:37: Das geht jetzt hier
01:07:39: ganz fast.
01:07:40: Nein, verlinken wir natürlich den Shownutz genau, dass man sich bei dir melden kann.
01:07:46: Tatsächlich ist es auch so, dass es ja... bisher keinen zentralen Überlieferungsort für diese Geschichte gibt.
01:07:53: Also das, was eben an Quellen noch existiert, das liegt entweder noch privat oder überall verstreut an Orten, auf die man selten kommt, wenn man sich nicht intensiv über Jahre damit beschäftigt.
01:08:09: Wir sitzen jetzt hier im Infoladen, weil hier auch das Archiv der sozialen Bewegung in Bremen ist, in dem ich auch mitmache.
01:08:18: All das, was ich da ansammle an Material, wird dann irgendwann mal hier in dieses Bewegungsarchiv wandern.
01:08:27: Und damit ist das, glaube ich, der Ort, an dem es so viel Material über die Entstehung freie Radius gibt wie nirgendwo sonst.
01:08:38: Und damit sprichst du noch einen schönen Punkt an, den wir jetzt so Richtung Ende nochmal erwähnen können.
01:08:42: Es gibt tatsächlich eine Bewegung, das ist vielleicht ein bisschen viel gesagt, es gibt die Archive von unten.
01:08:48: Da kann man sich mal gucken, umgucken in seiner eigenen Gegend.
01:08:50: Was gibt es denn da so?
01:08:51: In Berlin gibt es zum Beispiel das Archiv der Jugendkulturen.
01:08:54: Hier hast du auch gerade gesagt, gibt es eins, ich weiß halt nicht, Hamburg wird wahrscheinlich, nehm ich mal an, ich spreche jetzt hier über, keine Ahnung, ich hab nie nachgeguckt.
01:09:02: Wir verlinken es in den Show-Notes.
01:09:03: Kann man gucken, ob in der eigenen Heimatstadt vielleicht sowas ist und ob man entweder was beitragen kann oder vielleicht was Tolles findet oder sich mit den Leuten mal trifft, womit wir dann wirklich in Richtung Ende kommen, nämlich dem Aufruf auch nochmal, hört freies Radio oder Beteil ich es euch lieber gleich.
01:09:18: Macht mit, macht einfach selber aufreisende Spaß und man trifft echte Leute und macht irgendwie echte Sachen zusammen, auch wenn es ein bisschen am Ende dann alles in den Äther geht und die... Ich nehme an, dass die Zurerzahlen auch heute jetzt nicht rasant hoch sind, auf jeden Fall vermutlich aber höher als damals zur Zeit in das Piratenradius.
01:09:36: Jetzt geht hier auch schon die Tür auf, kommt jemand rein, den werden wir jetzt gleich begrüßen.
01:09:41: Aber wir verabschieden uns jetzt hier im Podcast.
01:09:43: Jan Böhlenkost, vielen Dank, dass du so schön erzählt hast
01:09:47: über
01:09:48: das Projekt und auch vor allen Dingen über die Historie, die du jetzt herausgefunden hast.
01:09:52: und vielen Dank an den Infoladen, dass wir hier sitzen durften.
01:09:56: Und dann manchmal ein Werbeblock in eigener Sache, wenn es wieder Piratenradius gibt, dann liest man das natürlich auf Golem.de.
01:10:02: Gehe ich mal davon aus, weil die wahrscheinlich dann digital sind oder so.
01:10:06: Und wenn man unbedingt technisch noch weiter in die Tiefe gehen möchte, dann kann man einen Golem.
01:10:10: Plus.
01:10:10: aber abschließend gibt es nämlich Artikel, die sich mit den technischen Details beschäftigen.
01:10:14: Vermutlich ist es aber nicht von Radius, aber er weiß schon.
01:10:18: Das war der Werbeblock in eigener Sache.
01:10:20: Ganz schön langer Werbeblock.
01:10:22: Danke, Jan.
01:10:24: Danke fürs Zuhören
01:10:25: und bis zum nächsten Mal.
01:10:26: Ciao.
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