Wie man Millionen von Büchern sortiert

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00:00:02: Besser wissen, der Podcast von Golem.de.

00:00:05: Hallo und herzlich willkommen zu einer weiteren Ausgabe.

00:00:07: Mein Name ist Martin Wolf und ich bin Podcastbeauftragter von Golem.de und ich befinde mich in Leitzig in der Deutschen Nationalbibliothek und noch genauer im Deutschen Buch- und Schriftmuseum, wo mich Frau Dr.

00:00:21: Stephanie Jacobs netterweise an einem Montag reingelassen hat, wo ich ja normalerweise nicht offen ist.

00:00:27: Hallo.

00:00:27: Das war eine große Ausnahme exklusiv für

00:00:30: Golem.

00:00:31: Und das Tolle ist, dass das heute schon das zweite Mal passiert ist.

00:00:34: Weil ich war vorhin in Dresden, im Verkehrsmuseum, das ebenfalls Montags geschlossen hat und durfte da auch rein.

00:00:40: Ich finde geschlossene Museen oder Museen, die jetzt nicht für den Publikumsverkehr auf sind, furchtbar toll.

00:00:48: Also es hat so ein Zauber.

00:00:49: Wie ist das, wenn man in so einem Museum arbeitet und man weiß, man kann den Montag da reingehen, alle anderen dürfen nicht und man kann was machen?

00:00:55: oder ist das was, was sich schnell abnutzt und wollen dann

00:00:57: sagen, ach ne.

00:00:58: Hey, der Zauber bleibt.

00:01:00: Natürlich freuen wir uns über jeden Besucher, jede Besucherin, die herkommt.

00:01:04: Aber in einem Museum und dann auch noch mal extremer in ein Museumsmagazin, in einen Deporraum zu gehen und zu wissen, hier bist du wirklich hinter den Kulissen.

00:01:15: Weil man kommt mit Konstellationen ins Gespräch, natürlich reden die Objekte nicht mit einem, aber wenn sie richtig angucken, dann fangen sie eben doch an zu reden.

00:01:24: Manche sind ganz stumm.

00:01:26: Und den muss man dann drei oder vier Mal besuchen, aber so diese direkte Konfrontation ohne vermitteln zu müssen.

00:01:33: Einfach nur alleine da zu sein und zu schauen, was ist das?

00:01:37: Das ist und bleibt ein Zauber.

00:01:40: Gerade auch vor dem Hintergrund, dass wir ja ganz oft gar nicht genau wissen, hey, Objekt, was machst du hier eigentlich?

00:01:47: Wir sammeln seit hundertvierzig Jahren als Ältestes Buchmuseum der Welt.

00:01:52: Und natürlich wissen wir nicht.

00:01:54: warum jedes einzelne Objekt hier ist und dann so ein Zwiegespräch zu überlegen, was machst du hier seit wann bist du eigentlich hier?

00:02:01: Das ist zauberhaft und das sollten wir, wenn sie es mir jetzt so als Szene vorstellen, das sollten wir viel häufiger machen, aber da steht dann.

00:02:12: manchmal doch der Arbeitsalltag gegen.

00:02:14: Meiner ist schön, weil meiner besteht daraus, sollte sie zu besuchen.

00:02:17: Und ich mache das hier heute auf Wunsch eines einzelnen Herren, meinem Ex-Kollegen Sebastian Grüner, den natürlich herzlich einladen, die sie im Podcast hören.

00:02:25: Also bitte, höre das jetzt auch bis zu Ende.

00:02:28: Alle anderen auch natürlich.

00:02:29: Zuschriften für neue Ideen an podcast.gulm.de, da darf nicht nur Sebastian schreiben.

00:02:35: Und er hat sich damals, er meinte, oh große Bitte und schaute das an und so weiter.

00:02:40: Es ist so, dass ich erst mal, ich wusste natürlich von der Deutschen Nationalbibliothek, aus familiären Gründen bin ich mit Bibliotheken, so ein bisschen mehr auf du als vielleicht normale Leute, aber es ist wie es immer ist.

00:02:53: Man hört das einmal und denkt sich krass, das muss was ganz Großes sein, aber wenn man dann erst mal wirklich da ist, das ist schon auch noch mal was anderes.

00:03:00: Ich bin den Weg hierher gelaufen, man sieht das Haus schon von Weitem, es ist jetzt nicht der... Sie korrekt mich, wenn ich falsch liege, es ist nicht der schönste Teil von Leipzig, oder?

00:03:09: Leipzig ist die schönste Stadt der Welt.

00:03:11: Wenn wir das gesagt haben, können wir auch zugestehen.

00:03:13: Das ist nicht der allerschönste Teil von Leipzig.

00:03:16: Weil er auch von Leipzig definiert sich über den Ring, der nicht nur im Herbst neunundachtzig Bedeutung hatte.

00:03:22: Und vom Ringhaus ist das für die Leipziger und Leipzigerinnen gefühlt auslangend.

00:03:27: Man muss nämlich fünf Stationen mit der Tram fahren.

00:03:29: Also es ist schon auch außerhalb ein bisschen.

00:03:32: Und es ist so eine Mischung aus.

00:03:33: Wir haben relativ viele Uni-Institute hier in der Nachbarschaft.

00:03:36: Die große Messe ist da.

00:03:38: Von hier aus dem Fenster drittes OG sieht man das Völkerschlachtdenkmal.

00:03:44: Wenn man es schön findet, freut man sich, viele finden es aber angemessen hässlich.

00:03:48: Und diese Mischbebauung hat schon auch, oder die Mischfunktionalitäten hat auch schon was Attraktives, aber im Café suchen sich ja leider umsonst.

00:03:58: Das habe ich probiert, genau.

00:04:00: Es war dann im Kellergeschoss der Deutschen Nationalbiolothek, wo es Zumindest einen Automaten gibt.

00:04:06: Zwei, die funktioniert einem nur mit Bargeld.

00:04:08: Das ist jetzt hier das Public Service Announcement.

00:04:10: Also wenn man mal herkommt, Kaffee möchte dann Bargeld mitnehmen.

00:04:13: Und man muss aber dazusagen, man kommt hier sehr fix her.

00:04:16: Man steigt dann einer von den S-Bahnen aus, direkt die fahren vom Leipziger Hauptbahnhof aus und ist dann hier nicht mal fünfzehn Minuten hier.

00:04:23: Das ist super fix und man kann es auch nicht verfehlen.

00:04:27: Dann kann ich nur sagen, der Bau, in dem wir uns jetzt befinden, ist ein Nigelnageln neues Haus.

00:04:32: Wann ist das gebaut worden?

00:04:33: Nicht Negelnagel, immerhin schon dreizehn Jahre alt, aber in der Architektur von Leipzig tatsächlich auch eine der modernen Architektursetzungen.

00:04:43: Und das ist der vierte Erweitungsbau der deutschen Nationalbibliothek, weil deutsche Nationalbibliothek sammelt ja, sammelt alles.

00:04:52: Alles, was in Deutschland publiziert wird, Übersetzung, Germanik etc.

00:04:56: Das heißt, wir sind seitdem wir als Nationalbibliothek gegründet wurden.

00:05:00: Im Jahr zwölf sind wir auf Zuwachs verdammt und deshalb auch zum Neubau verdammt.

00:05:06: Und wie Sie sagen, der erste Bau in den Zehnerjahren des zwanzigsten Jahrhunderts, so ein bisschen kitschiger Klassizismus, aber ein ganz wunderbar prächtiges Gebäude.

00:05:15: Und jetzt sind wir im vierten Erweisungsbau Der so aussieht, das war die Idee der Architektin, wie ein auf der Seite liegendes Buch, was man einfach nur aufschlagen muss und dann ist man im Museum drinnen.

00:05:27: Also auch eine... Für die Buchstadt leibt sich eine ganz schöne, metaphorische Idee für diese Architektur.

00:05:35: Der Erweiterungsbau davor sind riesige Silo-Architekturen.

00:05:40: Fünf große, wirklich sehr große, reine weiße Silo-Gebäude.

00:05:48: Ich glaube, das ist auch etwas ganz Besonderes, was die deutschen Nationaldiolothek hier in Leipzig hat, nämlich alle Vierteljahrhundert.

00:05:57: eigene architektonische, aber auch mobilierungstechnische, Ausstellungstechnische, Blick auf das, was lesen ist oder was das Halten von Lektürebeständen ist.

00:06:12: Und wenn Sie, und natürlich auch alle, die uns hören, mal hier herkommen, dann können Sie sehen, wie diese Strecke an verschiedenen Leseseilen, die wir haben, immer einen anderen Entwurf von Lektüre ist.

00:06:28: Was ist eigentlich Lesen?

00:06:29: Und das kann man im Stuhl, im Tisch, in den Beleuchtungen der Arbeitstische einfach ganz schön ablesen.

00:06:35: Das ist auch ein Zauber.

00:06:38: Also, das Buch ist mir gar nicht so in den Sinn gekommen, als ich das Gebäude von außen betratet habe, aber es sieht sehr organisch aus.

00:06:45: Es hat sehr geschwungene Formen.

00:06:48: Und daneben, dann, Sie haben das mit den Kitschig gesagt.

00:06:53: Es ist ordentlich, sagen wir so.

00:06:55: Mit der Goldfarbe ist nicht gespart worden.

00:06:57: Da ist viel.

00:06:59: Man kommt rein, lauter unbekleidete Leute sitzen sehr fotogenbüchert, hätte ich jetzt fast gesagt, aber das sind Mosaike, glaube ich, oder Wandmalereien.

00:07:07: Mosaiken, genau.

00:07:08: Mosaike

00:07:08: sitzen dann da mit aufgeschlagenen Büchern, kann man machen, ist jetzt, ja, auf jeden Fall spiegelt die Zeit wieger und ich habe natürlich den Fehler begangen, bin erst mal durchgegangen.

00:07:17: Da steht normalerweise, der hatte mich dann nicht gesehen.

00:07:19: offenbar, Weil ich aus dem Seiteneingang rauskam, steht da natürlich jemand, der Leute wie mich davon abhält, da einfach reinzumarschieren.

00:07:26: Und eine Kollegin hat mich dann sofort auch darauf hingewiesen, dass ich nicht mit Rucksack und voll gepackt

00:07:31: ... Natürlich nicht!

00:07:32: ... da

00:07:32: reinmarschen kann in den Lesesaal.

00:07:36: Aber wie kommt man denn in den Lesesaal?

00:07:38: Eigentlich genauso, wie Sie es gemacht haben.

00:07:40: Aber man muss sich vorher anmelden.

00:07:43: Und natürlich ohne Rucksack.

00:07:45: Sie dürfen aber die Schuhe anbehalten, immerhin.

00:07:48: Und es ist tatsächlich so, dass wir ... Sowohl aus Bestandsschutzgründen als auch aus Nachweisgründen, wer es eigentlich hier tatsächlich auf der Anmeldung beharren müssen, aber auch sollten.

00:07:59: Wir sind als Militationalbibliothek ja der letzte Ort im Zweifel, der eine Publikation

00:08:05: im Archiv hat.

00:08:07: Das ist ein gesetzlicher Auftrag, den haben wir uns nicht selber gegeben und auch die Verlage haben es uns nicht gegeben.

00:08:12: Aber man findet hier tatsächlich das letzte Exemplar, sodass wir schon so eine Art von gesetzlich verbrieftem Schutzauftrag und Archivauftrag haben.

00:08:23: Deshalb ist die Anmeldung ganz wichtig.

00:08:25: Wir sind keine öffentliche Bibliothek im Sinne der Benutzer.

00:08:29: Aber natürlich ist jeder Benutzer, jede Benutzerin herzlich willkommen.

00:08:32: Aber wir haben eine Gott sei Dank gerade aufgeweichte Altersbeschränkung ab achtzehn.

00:08:39: Und zwar hat das damit zu tun, dass wir eben alles sammeln.

00:08:43: Auch das was wir, wenn wir als moralisch oder ethisch denkende Menschen schauen, niemals sammeln wollen würden, wenn man uns fragte Kinderpornografie, Rechtsradikalismus, Militarismus, all diese Dinge haben wir eben auch, weil wir alles sammeln und das ist auch gut so, das wertlose Sammel.

00:09:01: Aber deshalb müssen wir darauf achten, dass niemand unter achtzehn, wir können den Jugendschutz nicht garantieren.

00:09:08: Aber wir haben inzwischen dieses ab achtzehn aufgeweicht ab sechzehn, weil es ganz viele Jugendliche gibt, die für die Schule, für irgendwelche komplexen Lernleistungen tatsächlich auch an unsere Bestände

00:09:19: heran wollen.

00:09:21: Ich habe mir das durchgelesen, wie das aussieht.

00:09:22: Also man kann einen Benutzerausweis erwerben, über fünfundzwanzig Euro, das ist ja, glaube ich, meine ich, dann also Anmeldungen, wie Sie gesagt haben, Personalausweis usw.

00:09:32: Und das hat mich auch erstaunt, dass dann da stand, sechzehn bis neunzehn ist frei, also da gelten die fünfundzwanzig Euro nicht.

00:09:39: Und Wenn man jetzt aber nur einmal kommt, um den Lesesaal zu betrachten, ist das dann auch fällig?

00:09:46: Also kriege ich dann immer ein Jahresabruh?

00:09:49: Oder kann ich das irgendwie?

00:09:51: Gibt es einen anderen

00:09:51: Form?

00:09:52: Ganz neue Einnahmequellen, das ist eigentlich eine gute Idee.

00:09:55: Nein, das ist nicht so.

00:09:56: Wir haben Wochenkarten und Jahreskarten.

00:09:59: Das ist sehr viel billiger und ganz wichtig.

00:10:02: Wir bieten natürlich für die ganz breite Öffentlichkeit auch Führungen an.

00:10:06: Das ist auch unser Auftrag.

00:10:09: Als Benutzer, Benutzerin kann man nur mit Ausweis her.

00:10:12: Das ist, glaube ich, auch ganz gut verständlich.

00:10:15: Aber wir würden was falsch machen als Gedächtnis der Nation, wenn wir offensiv daran arbeiten würden, alle anderen Menschen hier außen vorzuhalten.

00:10:24: Das Gegenteil ist der Fall.

00:10:26: Wir arbeiten mit hundertprozenten Steuergeldern und wenn wir nicht uns hineinblicken lassen würden.

00:10:31: Und das meine ich jetzt auch im metaphorischen Sinne.

00:10:33: Wir sind der Gesellschaft gegenüber auch eine Daseinsberechtigung schuldig, wenn wir die nicht ranlocken würden.

00:10:39: Und wenn wir nicht sagen würden, guckt mit uns zusammen, wie es bei uns aussieht, habt ihr Ideen, wie es bei uns vielleicht besser sein könnte, welche Funktionen braucht ihr, dann würden wir was falsch machen.

00:10:50: Als Benutzer, Benutzerin braucht man den Ausweis nicht, aber als Tourist, Touristin oder interessierter Bürger da einfach wissen will, wofür hier die Steuergelder investiert werden.

00:11:02: Und das ist auch so ein Auftrag, der mir persönlich unglaublich wichtig ist, die Daseinsberechtigung einer Steuergelder fressen, wenn Institutionen auch in die Gesellschaft zurückzugeben.

00:11:13: Jetzt haben Sie gesagt, Sie haben eigentlich das letzte Exemplar von allen.

00:11:18: Wenn ich jetzt, ich sage jetzt mal, ein spezifisches Buch, gut, ich bin natürlich ein bisschen privilegiert.

00:11:25: Durch meine Frau kann ich eigentlich theoretisch sowieso jedes Buch bekommen, weil sich das liefern lassen kann.

00:11:30: Aber nur das aktuelle, wir haben es ja schon seit hundert zwölf Jahren.

00:11:34: Und das gibt auch nicht alles.

00:11:37: Genau.

00:11:38: Und man sollte das auch nicht wirklich machen.

00:11:41: Ich kann mich jetzt auch nicht erinnern, dass ich das in letzter Zeit irgendwann mal schamlos ausgenutze, aber ich würde es sehr gerne schamlos ausnutzen, aber da stimmt ja.

00:11:48: Aber... Jetzt möchte ich dieses eine spezifische Buch haben.

00:11:52: Dann würde ich mich mit einer Wochenkarte anmelden, aber muss ich dann, je nachdem, wie komplex der Auffinde- und Beschaffungsvorgang ist, vorher dann auch schon mal sagen, das wäre jetzt das Buch, das mich interessieren würde?

00:12:04: Ach nee.

00:12:06: In unserer Benutzerordnung und jetzt sage ich so wie es sein soll und es gibt auch dann Ausnahmen.

00:12:12: Innerhalb von drei Stunden legen wir Ihnen das Buch vor.

00:12:16: Am besten macht man es als Benutzer, der nur kurz Zeit hier zum Beispiel in Leipzig ist, dass man vorher schon das Buch bestellt, das können Sie machen.

00:12:25: Und dann hier sich anmeldet, dann sind Sie ganz sicher, das Buch ist da.

00:12:29: Das heißt, innerhalb von drei Stunden und, pardon, manchmal dauert es dann doch ein bisschen länger, aber das ist so eine Maßgabe, die wir ganz gerne und die wir fast immer auch selbst erfüllen, ist tatsächlich das Buch vorgelegt.

00:12:41: Jetzt müssen wir das Ganze mal in Relation setzen.

00:12:44: drei Stunden bei einem Bestand von wieviel Medien?

00:12:49: Wollen Sie mal raten?

00:12:51: Ich höre so schlecht im Raten, aber ich nehme schon an, dass es in die Millionen gehen müsste.

00:12:56: Es sind fünfundfünfzig Millionen Stand heute.

00:12:59: Fünfundfünfzig Millionen Medien hat eben das größte, das umfangreichste Gedächtnis, was wir haben in Deutschland, schriftliches Gedächtnis der Nation.

00:13:07: Und ja, ich fasse Ihre Frage und Ihr erstaunen jetzt einfach als Lob.

00:13:13: für die Bereitsteller und Bereitstellerinnen, die in Magazin tatsächlich nichts anderes machen, als dafür sorgen, dass der Nutzer und die Nutzerin zufrieden ist mit dem, was ausgehoben wird.

00:13:22: Das ist ein unglaublicher Apparat.

00:13:25: Ganz kluge Menschen, ganz zuverlässige Menschen, die dafür sorgen, zusammen mit unserer Buchtransportanlage, so kleine Wegchen, die in allen Ecken dieses Hauses rumrattern, dass tatsächlich zu dem Zeitpunkt dann das Buch, was sie sich wünschen, hoffentlich auch bereitgestellt wird.

00:13:41: Das ist ein

00:13:42: Wunder.

00:13:42: Das ist ein Wunder und es ist auch ein Wunder, den Überblick zu behalten.

00:13:47: Das System, das dahinter steckt, hat das sich über die Zeit verändert.

00:13:52: Weil es ist ja schon auch so, wenn Sie fünfzehn Millionen sagen, dann ist ja nicht so, dass seit der Digitalisierung plötzlich fünfundvierzig dazugekommen sind.

00:13:59: Davor war es nur eine Mitte und man hat die, kann man so ein bisschen durch, ich gucke mal in die Richtung und da ist ein A und ein B und ein C sortieren, sondern da muss es ja ein... schon immer ein System gegeben haben.

00:14:10: Ist das System immer gleichgeblieben?

00:14:11: Hat er sich erinnert?

00:14:12: Und wie sieht das jetzt aus?

00:14:14: Eine ganz spannende Frage.

00:14:15: Das hätten wir ins Schwachze getroffen.

00:14:17: Das System an sich ist immer gleichgeblieben und heißt Morus Curens.

00:14:21: Das heißt, wir sind, was die Magazin-Aufstellung angeht, ganz und gar dumm.

00:14:27: Buch eins kommt um... Ich sage es mal ein bisschen flapsig, um neun Uhr am Tag eins an und kommt an die erste Regalstelle.

00:14:34: Und um elf Uhr, das stimmt nicht, kommt das Buch zweit, es kommt einfach daneben und um zwölf Uhr.

00:14:39: Das heißt, es ist Numeruskurrenz.

00:14:41: Wir sind nicht eine Fachbibliothek, die klug sich bestimmte Fächer ausdenkt, als Nationalbibliothek sind das nicht.

00:14:49: Wir müssen nachher vielleicht noch mal gucken, was sind wir als Museum eigentlich?

00:14:52: Da sind wir nämlich eine Fachbibliothek, aber die Nationalbibliothek... Das System hat sich noch niemals verändert.

00:14:58: Jetzt kommt aber der fünfte Erweiterungsbau.

00:15:01: Der vierte, da sitzen wir gerade, der fünfte Erweiterungsbau wird ein vollautomatisierter Magazin.

00:15:09: Das heißt, da entscheiden nicht mehr klug agierende Menschen, zumindest nicht im Einzelfall, sondern da entscheidet ein Algorithmus, wo passt denn dieses Buch ganz besonders gut hin, wird es vermeintlich voraussichtlich oft ausgeliehen, dann kommt es natürlich weiter nach vorne oder Manche Dissertationen hat nie das Vergnügen ausgeliehen zu werden.

00:15:30: Die Dissen sind das, was dann häufig auch einfach in den Hintergrund rutscht, aber jederzeit ausgeliehen werden kann.

00:15:36: Und das sind Kombinationen tatsächlich mit einer, mit Automatisierungsprozessen, an denen, an deren Erarbeitung wir gerade erst sind, tatsächlich.

00:15:44: Das wird ein Bau sein, den wir nächstes Jahr Grundstein legen, der vielleicht in den Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr-.

00:15:52: Wir sind dumm in der Aufstellung und machen keine fachliche Aufstellung.

00:15:55: Das ist seit hundert X Jahren dasselbe.

00:15:59: Aber die Art, wie wir die Bücher einbringen und wieder rausholen, das erlebt gerade einen wunderbentalen Wandel, der auch die Frage stellt.

00:16:10: Was machen wir Menschen eigentlich dann noch in den Magazinen?

00:16:14: Ich habe schon eine Aufgabe.

00:16:16: Es muss doch auch einen Unterschied machen, ob man ein Buch aus dem Jahr ... Nehmen wir jetzt mal gleich ein ganz schlimmes Jahr.

00:16:24: Irgendwas so ... ... zwanziger, vierziger.

00:16:27: Wo war das?

00:16:28: ... setzte das ein mit dem Papier, das jetzt plötzlich zu staubend zerfällt?

00:16:31: Das

00:16:32: war schon ein neunzehn Jahr, ne?

00:16:33: Sauere Papier, ne?

00:16:34: Ganz schlimm.

00:16:36: Sagen wir mal, so eins, unten, durch ... Ich sag jetzt mal eine Inkunabel.

00:16:41: Haben Sie so eine Inkunabel?

00:16:43: Natürlich.

00:16:45: Natürlich.

00:16:45: Nicht rein!

00:16:46: Ich hab die Frage ja nicht.

00:16:47: Okay.

00:16:48: Das macht doch einen Unterschied.

00:16:49: Und das muss doch auch in der Aufbewahrung dann einen Unterschied

00:16:52: machen.

00:16:53: Das stimmt.

00:16:54: Einerseits stimmt das.

00:16:55: Andererseits ist das Magazin, das wir jetzt bauen, tatsächlich vollklimatisiert, achtzehn Grad plus minus zwei, fünfzig Prozent Luftfeuchtigkeit plus minus.

00:17:06: Das heißt, die Rahmenbedingungen für die Aufbewahrung ist tatsächlich egal.

00:17:11: Und wir wissen, den Konabel aus den Fünfzehn, Jahrhundert, Sechzehn, Jahrhundert Das Papier ist so, dass wir uns überhaupt keine Sau machen müssen, obwohl es so alt ist.

00:17:20: Aber dieses schlimme Papier aus der Nachkriegszeit oder womöglich aus dem neunzehnten Jahrhundert, man schlägt die Bücher auf und sie krachen.

00:17:27: Dissertationen aus den Sechzigerjahren, Ormix-Verfahren, die kann man nicht mehr lesen.

00:17:32: Aber wir haben die Entscheidung gefällt und das gilt natürlich nicht für die alten Magazine, dass wir da die optimalen Lagerbedingungen schaffen müssen, weil es eben mal uns das letzte Exemplar gibt.

00:17:43: Wir haben jetzt gerade Ein Riesenprojekt mit Heft-Romanen, so Schmutz und Schwund, und das, was keine Bibliothek aufbewahrt hat, weil es reine Verbrauchsliteratur ist, wo auch viele Bibliotheken, als wir dann in den Zwanzigerjahren damit anfingen, gesagt haben, könnt ihr mal was Richtiges sammeln?

00:18:00: Ja, ihr seid ja die Allerletzten und dafür gibt ihr auch noch irgendwie Ressourcen her.

00:18:04: Heute haben wir ein Riesenprojekt, weil nur wir die noch haben, die Heft zu Hundertfünfzigtausend Hefte, und sozusagen die Forschung, die gerade an populären Wissensstoffen, das ist ein Hype, hätten wir uns nie vorstellen können.

00:18:19: Das wäre sonst weg, die Forschungsfrage wäre nicht möglich.

00:18:22: Das sind Hälfte, die extrem kompliziert ist, was Brüchigkeit von Papier und Haltbarkeit von Covern etc.

00:18:30: geht.

00:18:32: Das heißt, dass auch in den alten Gebäuden eben so zonend, also stelle ich mir jetzt so vor, sind in den speziellen Bedingungen herrschen, die zur Aufbewahrung von solchen.

00:18:40: Weil wenn Sie sagen, der Neubau wird das... Für alle Bieten heißt das ja, dass die älteren Bauten spezielle Zonen haben.

00:18:47: Und spätestens da muss ja dann doch eine Sortierung stattfinden, die über Wir fangen bei eins an und hören bei fünfzig Millionen und so auf.

00:18:55: Ja,

00:18:56: Nomos Kurs gilt zum Beispiel auch nicht für Zeitschriften werden anders aufbewahrten.

00:19:00: Da ist das Zeitschriften eins und das Hef zwei und das Hef drei an der Zeitschrift.

00:19:05: Das heißt, Nomos Kurs gilt für die Monographien, für den monografischen Bereich weitgehend.

00:19:10: Und ja, wir haben solche Zonierungen und die groben Zonierungen sind.

00:19:16: Der erste Bau, der zweite Bau, der dritte Bau sind nicht so richtig ähnlich.

00:19:21: Und ab dem vierten Erweiterungsbau, das hat einfach auch mit dem Aufbau von Wissen, von Wissen über konservatorische Bedingungen zu tun, ab dem vierten Erweiterungsbau, wo wir jetzt sitzen, wo auch alle Museumsbestände aufbewahrt werden, sind tatsächlich diese strengen Kriterien.

00:19:36: Und die gelten dann aber auch für alles.

00:19:39: Das heißt, es war nicht immer ideal, Ich bin ganz sicher, in zwei Hundert Jahren werden die Menschen auch sagen, na ja, ihr wart heute auch nicht ideal, es wird halt immer besser.

00:19:47: Und damit müssen wir, glaube ich, ganz gelassen

00:19:49: umgehen.

00:19:50: Ja, na klar.

00:19:50: Also, ich meine, logisch, man kann den Leuten von vorher nicht vorwerfen, dass sie das Wissen nicht hatten und dass sie die Technologien nicht hatten und dass sie den Aufwand vielleicht auch gescheut haben.

00:19:58: Man kann natürlich dann immer sagen, okay, was ist denn heute möglich?

00:20:00: Und so wie ich es jetzt verstehe, wird hier versucht, das Maximum auch zu erreichen.

00:20:06: Das heißt, man ist so ein bisschen auf einer Speerspitze dessen, was jetzt nicht nur vielleicht auf waren, sondern auch vielleicht auf Arbeit betrifft.

00:20:13: Ich meine, wenn Sie sagen, die Bücher fallen auseinander, dann kann man sich das jetzt nur so und so lange angucken, bevor man sagen muss, man muss jetzt mal was machen oder nicht.

00:20:20: Ja, das ist ein großes Problem, weil es ein riesen Budgetproblem ist.

00:20:25: Wir haben... Verschiedene Dinge uns einfallen lassen, sag ich mal, zum einen.

00:20:30: Und das halte ich für einen der genialsten Dienste von uns, sogenannte Kataloganreichung.

00:20:36: Das heißt, wir haben von allen Neuerscheinungen seit vielen, vielen, vielen Jahren das Inhaltsverzeichnis, stellen wir direkt ins Netz.

00:20:43: Das heißt, ganz viele Fragen, ist das wirklich die wissenschaftliche Ressource des Buches, was ich brauche?

00:20:49: Kann man mit einem Blick ins Inhaltsverzeichnis schon... Positiv oder längert nicht bescheiden.

00:20:54: Und dann erübrigt sich auch dieser ganze Bestellvorgang.

00:20:56: Und das ist wiederum zum Schutz der Medien da.

00:21:00: Das ist so eine Sache, um das ein bisschen, ich sag mal, zu umgehen.

00:21:05: Und was wir natürlich gerne machen, ist ein Volldigitalisierungsgesamtbestandes.

00:21:10: Da das Geld gibt uns keinen Geldgeber dieser Welt.

00:21:14: Das sind ungeheure

00:21:15: Mengen.

00:21:16: Und

00:21:17: wir dürfen ja auch nicht volldigitalisieren.

00:21:18: Das sagen die Verlage, naja.

00:21:21: Ihr digitalisiert das, was wir über ein Geschäftsmodell verkaufen.

00:21:25: Da läuft doch irgendwas nicht ganz in Ordnung.

00:21:29: Das heißt, die Frage nach der Zugänglichkeit unserer Ressourcen ist immer ein Annäherungswert.

00:21:35: Wir versuchen das Beste für die Nutzer rauszumachen.

00:21:38: Und irgendwann kommt Urheberrechte.

00:21:39: Wir dürfen nicht einfach alles ins Netz stellen.

00:21:41: Das ist auch gut so.

00:21:42: Oder ganz konkrete Fragen nach Papierzerfall.

00:21:46: Und wir haben sogenannte Mumien.

00:21:48: Im Magazin, die sind ein einziges Mal zur Digitalisierung noch aufgebreitet worden, sind digitalisiert worden, sind dann so kaputt, dass wir als Mumienkapseln sie im Magazin belassen und dann in Ruhe lassen.

00:22:02: Die werden aber nicht mehr, den wir noch zuvor gelegt, weil sie digital vorliegen.

00:22:07: Gleichzeitig eine konkrete Frage.

00:22:08: Ich schaltere zur Freude meiner Frau öfter mal an den Suchen.

00:22:14: der jeweiligen Bibliotheken.

00:22:15: Ist Ihre Suche Ihrer Meinung nach zugänglich?

00:22:18: Könnte ich die aufmachen?

00:22:19: Und wir verlinken natürlich die Suche hier in den Shownotes.

00:22:23: Aber kann ich die einfach aufmachen, was eingeben?

00:22:24: Und ich kriege auch Treffer?

00:22:25: Oder muss ich vor einem kleinen Studiengang Suche belegen?

00:22:29: Das bringen Sie mich ein bisschen in die Bedrängnis.

00:22:31: Nein, die Suche ist gut.

00:22:32: Wir haben einen ganz allgemeinen Suchschlitz.

00:22:35: Und nein, sie ist noch nicht so gut, wie Sie gerne

00:22:37: hätten.

00:22:38: Allgemeiner Suchschlitz ist etwas, was ich liebe.

00:22:39: Ja,

00:22:40: ich auch.

00:22:41: Das

00:22:42: ist aber auch nur so erfolgreich wie unsere Erschließung seit hundertzwanzig Jahren erfolgreich ist.

00:22:47: Und da gibt es natürlich Regelwerke, Erschließungsregelwerke, bibliotekarische Regelwerke, die sind Wandlungen unterlegen.

00:22:54: Und in vielen, vielen Epochen unserer Sammeltätigkeit klappt es wirklich gut.

00:23:00: Und in manchen Harpots noch ein bisschen.

00:23:02: Das heißt, wir müssen noch abstrakt davor gehen, noch mehr.

00:23:06: Und das ist ein strategischer Punkt Nummer eins, den Nutzenden.

00:23:09: im Kopf haben, wenn wir uns fragen, wie erschließen wir die Werke eigentlich?

00:23:13: Nicht ganz konkret, was möchte Martin Wolf morgen für eine Frage stellen, sondern was sind Nutzungsszenarien?

00:23:21: Wen wollen wir als Nutzer vielleicht auch neu anbauen?

00:23:24: Natürlich ist das die Wissenschaft, aber das reicht schon lange nicht mehr.

00:23:26: Wir müssen auch die Kreativwirtschaft, wir müssen auch die Jugend, wir müssen auch einfach interessante, interessante Thematiken nach außen geben.

00:23:34: Und da sind wir noch nicht da, wo wir hinkommen möchten.

00:23:38: Es ist so viel Potenzial.

00:23:40: Es ist so viel da drin.

00:23:44: Das macht mich ganz sprachlos.

00:23:45: Bevor wir jetzt zu dem Gebäude kommen, wo wir jetzt sind und auch zur Bibliothek unter dem Museum, das ja ihr primärer Arbeitsort ist, muss ich jetzt ein bisschen, muss ich noch, muss ich noch dabei bleiben, weil das fasziniert mich so sehr.

00:24:03: Die Arbeitsweise ist praktisch, also erstmal fragen wir mal, wie viele Leute arbeiten hier?

00:24:07: Was Sie gesagt haben, sehr unzählige Leute gehen durch die Gänge, was ist das Team?

00:24:11: Wir haben ja zwei Standorte, Leipzig ist der Gründungsstandort der deutschen Nationalbibliothek, in Frankfurt ist der Standort gegründet worden nach dem zweiten Weltkrieg, Teilung Deutschlands.

00:24:21: Also nicht Frankfurt an der Oder?

00:24:22: Nicht

00:24:22: Frankfurt an der Oder, ich sage es immer noch nicht dabei, Frankfurt am Main, eine Gründung Ende der Vierzigahre.

00:24:29: Sollte eine

00:24:29: schöne Stadt sein, wir sagen das.

00:24:31: Okay, ja.

00:24:31: Es ist eine wunderbare Stadt, aber nicht so schön.

00:24:33: Wie leibt sich natürlich nicht so schön.

00:24:35: Und diese beiden Standorte zusammen haben ca.

00:24:39: eine Vollzeitäquivalente.

00:24:41: Ich sage Vollzeitäquivalente, weil es nicht so viele, also es sind mehr Köpfe, weil wenn man eine halbe Stelle hat, dann sind es gleich zwei Köpfe.

00:24:48: Und das ist ungefähr gleichmäßig auf beide Standorte verteilt, ne?

00:24:52: Sechsundert Stellen, Vollzeitstellen.

00:24:55: Und das variiert und das sind auch nicht die einzigen, die hier arbeiten.

00:25:00: Wir haben auch jetzt hier gerade im Museum und die Nationalbibliothek macht das auch immer mehr wissenschaftliche Projekte, Trittmittelprojekte, wenn wir also Projektmitarbeiterinnen eben auch in unsere Räume und an unseren Beständen arbeiten müssen.

00:25:15: Das muss immer mehr und darf immer mehr passieren, weil wir analog dem Aufwuchs der Masse, das wir bearbeiten müssen.

00:25:24: Wir sammeln ja auch Netzpublikationen und von denen weiß man im Gegensatz zum Gedruckten, das explodiert immer noch in der Masse.

00:25:31: Das heißt, wir kriegen nicht analog viele Stellen, analog der Menge an Medien, die wir reinbekommen.

00:25:37: Das heißt, wir müssen uns was einfallen lassen.

00:25:39: Da sind zum einen vollautomatische Erschließungsprozesse, KI, die Lösung Nummer eins.

00:25:46: Und da ist eben zum anderen, wenn man spezifische Fragen an Bestände hat, sind das wissenschaftliche

00:25:50: Kooperationen.

00:25:52: Das macht

00:25:52: richtig Spaß, weil die alle viel mehr wissen, was in unseren Beständen an Honig liegt, weil die die konkreten

00:26:00: Anfragen haben.

00:26:02: Wie kam es denn überhaupt in Ungarn in den Urschleimkreuz?

00:26:06: Wie kam es denn zur Gründung der deutschen Ärzte in der Bibliothek?

00:26:10: Wenn Sie sagen, die ist erst vor ein bisschen über hundert Jahre gegründet worden, das klingt für mich nicht lang.

00:26:15: Die Idee müsste doch eigentlich Deutschland als so ein Buchdruck Pionier gewesen.

00:26:21: Es gab immer wieder, man wusste schon damals ja, dass die alte Zeit eben genau, weil das nicht so gut aufbewahrt wurde, nur in Fetzen erhalten geblieben ist, die Geschichten aus der Öffnung.

00:26:37: Vorgeschichte ist es ja eigentlich nicht, weil ein paar Sachen sind ja erhalten geblieben, aber es gab diese Dinge mit der Alexandre Bibliothek, die wahrscheinlich gar nicht so groß war, wie man denkt, dass sie war, und so weiter und so weiter.

00:26:46: Und also dieses Wissen darum, dass so was eigentlich geben müsste, gab es ja eigentlich schon immer, warum hat es so lange gedauert?

00:26:50: Oder gab es für euch Vorläufer?

00:26:52: Ganz spannende Frage und beides stimmt.

00:26:54: Also, dass die deutschen Nationalbibliotheken im Gegensatz zu fast allen europäischen Nationalbibliotheken, aber auch der Library of Congress in Amerika, so spät gegründet wurde, nämlich im zweiten Jahrzehnt des zwanzigsten Jahrhunderts, hängt mit dieser A, mit dieser späten Nationenbildung, aus dem siebzig-einzig-einzig zusammen.

00:27:11: Es gab einfach keine Nationen, die man hätte vereinbaren können.

00:27:14: Es gab die Preußen, es gab die Bayern.

00:27:17: Und beide haben Nationalbibliotheken, also Staatsbibliotheken heißen sie, Bayerische Staatsbibliothek und Staatsbibliothek Berlin.

00:27:24: Und die haben auch, als dann die Nation erschaffen wurde, letztes Quartal, ins Jahrhundert, ordentlich viel dagegen getan, dass es eine Nationalbibliothek geben könnte.

00:27:36: Weil die sagen, wir machen das doch schon.

00:27:39: Was ist denn da eine dritte Konkurrenz, ja?

00:27:41: Wir Bayern und wir Polsen, das reicht doch eigentlich, dass es auch noch ein paar andere Länder gab und es vielleicht doch die Nationenbildung auch im Sinne von Identität etwas zu sagen hat, so was.

00:27:52: Das heißt ganz konkret, die späte Gründung hat mit der Nationenbildung zu tun, mit der späten Nationengründung zu tun, aber das ist dann immerhin auch noch über vierzig Jahre gedauert hat.

00:28:04: Das ist einem durchaus mit Hachtenbandagen gekämpften Auseinandersetzung mit den beiden Staatsbibliotheken, die es verhindern wollten, die es klug verhindert haben lange.

00:28:15: und irgendwann hat der Börsenverein, der deutschen Buchhändler.

00:28:18: Also der Lobbyverband, der Verleger und Buchhändler gesagt, wir brauchen sowas.

00:28:25: Unsere Kunden, die einzelnen Verlage, haben keine Vollständenarchive.

00:28:29: Und übrigens ihr Bayern und ihr Päusen, ihr habt die auch nicht, weil ihr selektiv arbeitet.

00:28:35: Und die haben gesagt, wir brauchen sowas.

00:28:36: Und da lag natürlich Leipzig nah.

00:28:38: Die alte europäische Hauptstadt des Buches Leipzig.

00:28:42: Und dann hat der König in Sachsen gesagt, vielleicht auch, und das wissen wir auch durchaus aus Quellen, um den Preußen und den Bayern ein bisschen was auszuwischen.

00:28:52: Ja klar, muss die hier zu uns.

00:28:54: Und Profilierungsschance auch.

00:28:56: Und der Platz, an dem das Gebäude, wo wir jetzt gerade sitzen, heißt ja Deutscher Platz, weil hier die deutsche Bücherei gegründet wurden.

00:29:03: Und das ist ein bisschen die Geschichte, warum so spät, aber warum dann nochmal so

00:29:08: spät?

00:29:10: Sehr deutsch der Platz, kann man ja das sagen.

00:29:12: Wir haben nur noch darauf gewartet, dass hier Eichen gepflanzt sind, aber anscheinend nicht.

00:29:15: Oder diese Eichen, oder diese im Krieg, aber ja, okay, das hätte ich noch gefehlt.

00:29:19: Okay, dann müssen wir kurz erklären, was denn eigentlich der Börsen-Verband des deutschen

00:29:23: Buchhands ist.

00:29:24: Genau, das ist eine ganz ehrwürdige Institution.

00:29:31: Der älteste europäische Verband, der heute noch arbeitet, hat dieses Jahr seinen Zahnlatzungsgeburtstag gefeiert und sie mögen mir erlauben, dass ich einen kleinen Werbeblock für ein Buch, das ich mit herausgegeben habe.

00:29:45: Zwischen

00:29:45: Zeilen und Zeiten Buchhandeln und Verlage, Vierzehn, Vierzehn, Vierzehn, Vierzehn, Vierzehn, Vierzehn, Vierzehn, Vierzehn, Vierzehn, Vierzehn, Vierzehn, Vierzehn, Vierzehn, Vierzehn, Vierzehn, Vierzehn, Vierzehn, Vierzehn, Vierzehn, Vierzehn, Vierzehn, Vierzehn, Vierzehn, Vierzehn, Vierzehn, Vierzehn, Vierzehn, Vierzehn, Vierzehn,

00:29:58: Vierzehn, Vierze.

00:29:58: Verlinken wir uns in den Schoen.

00:29:59: Vielen Dank.

00:30:00: Das ist der Versuch so etwas Langweiliges wie eine Verbandsgeschichte.

00:30:04: Die will eigentlich keiner haben.

00:30:05: Über ganz kurze Texte und sehr viele Bilder tatsächlich dieses Potenzial an der Börsenverein vertritt.

00:30:13: die Buchhandlung und die Verlage, macht aber eigentlich nichts anderes als Mitwissen zu handeln.

00:30:19: Und was da alles schiefgegangen ist, wie er sich als neutraler Verband von sowohl dem Nationalsozialismus als auch der DDR Autokratie hat instrumentalisieren lassen, ja, da hängt, das hängt so voller spannender Geschichten.

00:30:35: Und genau, das haben wir uns zusammen mit Christina Haug nicht nehmen lassen, diese Geschichten mal an die Oberfläche zu holen.

00:30:43: Und das ist heute noch der Lobbyverband der Buchbranche aus Loba und Austräger der Buchmessen, der Frankfurter Buchmesse und natürlich für uns als Deutsche Nationalbibliothek, aber auch als Buchmuseum ein ganz wichtiger

00:30:59: Partner.

00:31:01: Und Sie haben auch das Archiv von denen.

00:31:04: Was spielt es man denn im Archiv des Börsenvereins?

00:31:07: Also das ist für mich ein leeres Blatt Papier, was Sie jetzt, also da habe ich gar keine Vorstellung.

00:31:10: Genau.

00:31:12: Theoretisch würden wir jetzt ins Magazin gehen und wir würden drei Stunden lang, würde ich Ihnen das Archiv zeigen, aber um es nicht ganz so lange zu machen, da sind tatsächlich zum Beispiel Urkunden aus dem sechzehn-sebzehn-Jahrhundert von Lehrbriefe von Muchtdruckern.

00:31:28: Also was ganz Praktisches und fassbar tolle historische Archivalien.

00:31:33: Da sind aber auch, man könnte denken, ja jetzt aber treibt die Jakobs ein bisschen, aber Der Bestand an Messkatalogen, siebzehnt, Jahrhundert bis heute, ist ein Fundus an intellektueller Geschichte unseres, unserer Herkunft, aber auch derzeit unserer Gegenwacht, der ist überhaupt noch nicht im Ansatz gehoben.

00:31:57: Der Börsenverein gibt das Börsenblatt raus, seit zwei Hundert Jahren ununterbrochen, anfangs täglich, heute ein bisschen seltener.

00:32:06: Was da an deutscher Geschichte, Design-Geschichte, Werbe-Geschichte, Vollachsgeschichte natürlich, aber auch an Literaturgeschichte, an Zensurgeschichte, mein Lieblingsthema, drinsteckt.

00:32:19: Das ist, wie gesagt, von uns noch nicht im Ansatz wachgeküsst dieser Schatz.

00:32:25: Die Messkataloge, das sind praktisch Auflistungen von Büchern, die zum Messer dann vorgestellt werden.

00:32:29: Genau.

00:32:30: Gibt es so eine kleine Inhaltsangabe oder ist dann...

00:32:33: Jeder Titel einzeln.

00:32:34: Jeder Titel einzeln.

00:32:35: Je nachdem, mit welcher Zeit wir es zu tun haben, auch mit Beschreibung, mit Relevanz, mit Preisen, so dass man auch so eine Art von Ökonomiegeschichte des Buches über diese Messkataloge.

00:32:46: Und da haben wir die umfangreichste Sammlung.

00:32:48: Genauso wie die fast vollständige Sammlung an Index.

00:32:54: Libro und Proibitur, das sind die Schriften, die die katholische Kirche hat, über vier Jahrhunderte hinweg verhindern wollen, ein unglaublich spannendes Konvolut an, warum sind die aus dem, warum durften die nicht verkauft werden?

00:33:12: Welche Konjunkturen gibt es da bis zu diesem witzigen Fall, dass ein Indexband der Österreichschwarn, siebten und siebzig, selbst auf den Index

00:33:21: kamen?

00:33:22: Einfach nur wegen der Erwähnung von irgendwelchen Sachen vermutet.

00:33:24: Wo kann man am besten nachgucken, das verboten ist?

00:33:27: Ja, wie könnt ihr sowas veröffentlicht?

00:33:29: Das ist der Grund?

00:33:29: Also

00:33:30: muss es verboten

00:33:30: werden.

00:33:30: Im ganz im Keller des Archives, dieses Podcast, glaube ich, das ist ein, nee, nee, da habe ich dann ein Artikel drüber geschrieben, ich pack's in die Show-Notes.

00:33:39: Gespräch mit der Bund ehemals Bundesprüfstelle für Junggefährdende Schriften, die jetzt nicht mehr so heißt, die aus genau diesem Grund diese Liste natürlich auch nicht öffentlich macht.

00:33:48: Man kann die anfragen, aber ...

00:33:50: Ja.

00:33:51: Und deshalb, ihre Frage nach dem Archiv des Börsenvereins, klingt wirklich doppelt verstaubt.

00:33:58: Archiv und dann auch Verband.

00:34:00: Da wachten wirklich noch Brillanten auf die

00:34:04: Erforschung.

00:34:04: Und wie so was gehen kann, habe ich im Vorfeld dieses Podcast schon vor vielen Monaten mitbekommen, als Kathrin Enzel, die Leiterin der Stiftung kranziatisches Wirtschaftsarchiv, auf einer jetzt hier nicht näherigen, ach egal, LinkedIn, einen schönen Post gemacht hat, wo sie gesagt hat, sie haben in einer Säule in der Handelskammer Hamburg, in einem Schränkchen, einen Fund gemacht, der da seit mehr als hundert Jahren lag.

00:34:34: Wo sie nicht wissen, was es ist.

00:34:35: Was muss man sich mal vorstellen?

00:34:36: Es ist ein öffentliches Gebäude, durch das am Tag Hunderte vermutlich... Ich weiß nicht, wie viele Leute da durchgehen.

00:34:41: Ich kenne das Gebäude nicht.

00:34:42: Aber es auf jeden Fall jetzt nicht irgendein versteckter Raum auf dem Dachbund, sondern... Und da sind Säulen in diesem Raum und an den Säulen herum und sind so Bänke, wo man sich auch aufsetzen kann.

00:34:54: Und in den Bänken sind Holzschränke.

00:34:56: Und als das mal gemalt werden sollte, hat jemand mal diese Schränke aufgemacht, alle.

00:35:01: anscheinend zum ersten mal seit, ich weiß nicht wann, und hat da ein Päckchen gefunden und da waren Warenproben drin.

00:35:08: Kerze, Kerzen, Seife, streichölzer Kerzen-Dochte, alte Papiere.

00:35:14: Und das haben sie dann zur Restauration gegeben und man kann sich das auch angucken, also diesen, ich versuche mal den Linkenpost zu verlinken, dass man das mal sehen kann.

00:35:21: oder vielleicht haben die dazu auch noch mal irgendwas auf ihrer Webseite.

00:35:24: Aber das sind auch so fundende, wenn man sagt jetzt so irgendwie Archiv irgendwas.

00:35:28: Aber das ist eben ein Teil des damaligen Lebens, der einem so vielleicht gar nicht bewusst ist oder der damaligen Art Wirtschaft zu betreiben.

00:35:36: Da ist doch bestimmt bei ihnen auch irgendwas zu finden.

00:35:39: Ah, was für eine schöne Geschichte.

00:35:42: Ja, und solche Funde macht man ja nicht bewusst.

00:35:46: Man sucht ja nicht nach einem Päckchen in einer Bank an einer Säule, sondern das Zauberhafte an diesen Pfunden ist das Zufällige.

00:35:53: Und tatsächlich hätte ich zwei kleine Geschichten.

00:35:56: Zum einen sind wir, wir sind hier in dem Erwaltungsbau jetzt seit zwölf Jahren, waren natürlich vorher in alten Magazinen.

00:36:03: Da musste der Umzug her.

00:36:05: Und ich erinnere mich noch gut an ein Erstaunen darüber.

00:36:09: So ein sehr verstaubtes, in altes Packpapier eingewickelt mit so groben Sila.

00:36:16: Wie nennt man diese Schnüre?

00:36:20: So Hanfseile?

00:36:21: Ja, Hanfseile.

00:36:23: Und da stand auch die Adresse vom Museum drauf.

00:36:25: Und dann haben wir gedacht, was ist das denn?

00:36:28: Ähnlich wie nicht im Schrank unter dem unter dem Podest, unter dem Sitzpolster, sondern das war in einer Ecke, die offenbar tatsächlich seit dem zweiten Weltkrieg nicht mehr angeguckt worden ist.

00:36:39: Und so dreckig war es da auch.

00:36:41: Und dann haben wir uns lange überlegt, was machen wir denn damit jetzt?

00:36:44: Es war tatsächlich datiert auf den ersten Februar, und kurz zuvor war das Deutsche Buch- und Schriftmuseum vollständig ausgebrannt, nämlich im grafischen Viertel in Leipzig, Volltreffer, der alliierten Bomber.

00:37:00: Und der, mein Vorgänger, hatte damals an alle Kollegen in Europa im Brief geschrieben, Postkarte geschrieben.

00:37:09: Wir sind ausgebrannt, habt ihr nicht irgendwelche Spenden für uns?

00:37:12: Wir können nicht einfach mit nichts weitermachen.

00:37:15: Und da war eine große Hilfsaktion und dieses Päckchen ist vergessen worden, ausgepackt zu werden.

00:37:22: Und das ist ein emphatischer Moment, weil man plötzlich denkt, Aber wie muss ich dankbar sein?

00:37:29: Vermutlich ist dem Absinnen nie gedankt worden.

00:37:31: Der Fleck kriege ich jetzt noch aus, wer der Enkel des Enkels ist, etc.

00:37:34: Die große Frage, die wir uns gestellt haben, zerstören wird das historische, kulturhistorische Objekt, indem wir es auspacken?

00:37:42: Oder sind wir blind gegenüber dem, was uns eigentlich dediziert worden ist, wenn wir es nicht auspacken?

00:37:48: Und ich kann dir sagen, da kann man nur alles falsch machen, weil es gibt nur zwei Varianten.

00:37:54: Und beide Varianten sind genauso falsch wie richtig.

00:37:58: Ich würde mich selbst nicht als so superneugierigen Menschen bei solchen Sachen.

00:38:02: Ich gucke vorher auch nicht nach Geburtstag, aber da habe ich mich jetzt aufgemacht.

00:38:05: Also ich bin super bereit, gar keine Frage.

00:38:07: Was ist passiert?

00:38:08: Nein, wir haben es nicht aufgemacht.

00:38:09: Okay.

00:38:10: Tatsächlich, das hat uns gejuckt.

00:38:12: Das hat vor allen Dingen die Kollegen gejuckt.

00:38:13: Die Kollegenbibliothek Haare, sag ich mal, die natürlich wissen wollte, welche Titel muss ich denn jetzt aufnehmen?

00:38:18: Ich hab gesagt, nein, nein, das ist das Päckchen an sich.

00:38:22: Das ist der Speicher.

00:38:23: Das ist der Wissenspeicher.

00:38:25: Und es ist völlig egal, welche Bücher drin sind.

00:38:27: Die Geste und sozusagen die, wir haben den Absender, wir haben das Datum etc.

00:38:32: Das ist eigentlich das Kulturhistorisch wichtiger.

00:38:36: Zweites kleines Geschichtchen.

00:38:39: Lange wurde im Museum ein Objekt, zwei Objekte, nämlich silberne Opiumpfeifen, also was ganz vornehmendes Buchmuseum, Opiumpfeifen, mit großen Fragezeichen.

00:38:50: Und als ich ihn neu angefangen hatte, gesagt, das kann schon sein, die Vorgänger und manche Vorgänger, vielleicht wurden dann einfach in gemütlichen Besprechungen auch geraucht.

00:39:00: Was kann schon passieren?

00:39:01: Ist ja auch ganz nett.

00:39:03: Genau, man ist ja

00:39:04: keiner.

00:39:05: Ach so wirklich.

00:39:07: bis wir eine Ausstellung gemacht haben zu der ersten und letzten Weltausstellung des Buches, die in unsere vierzehn Jahre stattgefunden hat in Leipzig vor unseren Türen und ein Foto gesehen haben in dem sogenannten chinesischen gelernten Haus.

00:39:18: und was stand bei dem rekonstruierten chinesischen gelernten Haus?

00:39:22: auf dem schreibtisch geklärten Opiumpfeifen?

00:39:26: Wie Schiller seine verschimmelten Äpfel als Inspirationsquelle hatte, das wissen wir ja auch, sind plötzlich diese Opiumspfeifen, die immer mit einem Fragezeichen im Magazin standen.

00:39:36: ist doch ganz klar, was die Opiumpfeife hier soll.

00:39:39: Das wissen wir doch alle, chinesische Gelernte haben die geraucht.

00:39:42: Und diese schönen Geschichten von Entdeckerlust, das ist Museum.

00:39:48: Deshalb liebe

00:39:48: ich Museum.

00:39:49: Womit wird zu Ihnen kommen?

00:39:52: Wie wird man denn der Leiterin des Deutschen Buch und Schriftmuseums, bitte schön?

00:39:57: Das Schöne am Museumsberuf ist, das ist kein wirklicher Ausbildungsberuf.

00:40:02: Es gibt die Museologen, aber ... Ich sage mal, auf Leitungsebene gibt es keinen Ausbildungsberuf.

00:40:09: Deshalb sind wir eine so tolle Menschengruppe, weil wir alles irgendwie Quereinsteiger sind.

00:40:15: Also rein langweilig.

00:40:17: biografisch habe ich irgendwann mal Psychologie, Philosophie und Kulturwissenschaften studiert und habe dann ganz viele umweg.

00:40:23: Ich war lange im Journalismus, hatte in eigenes Büro zur Beratung von Kulturinstitutionen.

00:40:29: habe Institut für Auslandsbeziehungen gelebt, aber gelebt, gearbeitet

00:40:35: und gelebt.

00:40:35: Das kann das eigentlich nichts zu sagen.

00:40:37: Das war schon ein Treffer, ein Folter.

00:40:41: Genau, und diese Museumsarbeit hat das Wundervolle an sich dadurch, dass es nicht eingekastelt ist in einen Ausbildungs- oder in einem Studium, dass man relativ viel selbst erarbeiten kann an strategischen Ausrichtungen des Museums.

00:40:59: Und das hat mich ganz besonders hier wirklich und erfüllt mich heute noch mit Freude und auch mit unglaublicher Energie.

00:41:07: Die Frage, was ein Museum machen muss, ist lange nicht so festgelegt, wie das, was eine Bibliothek zu machen hat.

00:41:12: Wir haben mit der großen Aufgabe der Bildungsarbeit, der Vermittlungsarbeit etwas, was sich jeden Tag neu ausrichten muss an den gesellschaftlichen Anliegen, sofern auch nie festgeschrieben ist.

00:41:23: Und dieses zwischen wissenschaftlichen Projekten, Arbeit am Bestand, am Zeugs und der Verbittlungsarbeit, das ist etwas, was dem Museum eingeschrieben ist.

00:41:35: Und unsere strategische Ausrichtung ist im Moment eine, die sehr weitgehend auf unseren Breitag zur Demokratiebildung hinausläuft.

00:41:44: Das ist Seit fünf, sieben, acht Jahren ist das unser Schwerpunkt in der Vermittlungsarbeit, weil, wo Wissensressourcen sind, da ist auch die Verantwortung, das Wissen im gesellschaftliche Kontexte reinzuholen.

00:41:57: Und das sind nicht nur Bildungsarbeiten mit Kindern und Jugendlichen, sondern auch Erwachsenenarbeit.

00:42:02: Wir eröffnen gerade für uns das große Feld Medienkompetenz, nicht besonders neu, aber für uns, als jemand, der nach außen wirken muss und auch darf.

00:42:14: ist auch so was wie Fake News und Manipulation von Wirklichkeiten, allemal wenn wir an KI wunderbares Werkzeug oft manipulativ unterwegs denken,

00:42:25: da haben wir einen riesen Bildungsauftrag.

00:42:28: Ich mein Medienkompetenz Erweiterung, klar, also das hat sich halt die Inhalt oder das, wo... Wo die Kompetenz jetzt erworben werden muss, das hat sich geändert.

00:42:37: Na klar, hat man das vor Jahrzehnten, hätte man auch schon, hat man wahrscheinlich auch schon früher.

00:42:42: Wir machen ja jetzt den schönen Schwenk endlich ins Museum auch.

00:42:46: Ich wollte nur noch mal kurz darauf hinweisen, dass das, was Sie gerade gesagt haben, diese Leidenschaft und diese Möglichkeit, was... zu bewegen und selbst einzubringen.

00:42:57: Das hatte ich bei allen Leuten, die bis jetzt in diesem Podcast waren, die in Museen gearbeitet haben, ob als Kustodin oder in anderen Funktionen.

00:43:05: Und das spürt man da komplett durch.

00:43:07: Wenn Sie sagen, das ist ein besonderer Schlag, Mensch, würde ich hundertprozentig unterschreiben.

00:43:10: Das finde ich total schön, dass Sie das sagen.

00:43:12: Und das empfinde ich auch so.

00:43:14: Das ist irgendwie in unserer DNA.

00:43:16: Keiner landet automatisch im Museum.

00:43:18: Ja.

00:43:19: Den Museumstopp, den sucht man sich.

00:43:22: Wenn es juckt, dann bleibt man auch gerne.

00:43:24: Und das finde ich sehr schön, dass es Ihrer Erfahrung

00:43:26: spielt.

00:43:26: Ist es?

00:43:26: Und die kann man in diesem Podcast-Archiv nachhören.

00:43:29: Das war jetzt mit der schamlosen Eigenwerbung ab ins Museum.

00:43:33: Was ist denn im Museum zu sehen?

00:43:35: Wir haben als medienschichtliches Museum einen Auftrag, sozusagen einen Themenauftrag, der beginnt mit den ersten Medien der Menschheit.

00:43:47: Und das sind die ersten schriftlichen Zeugnisse des Menschen, circa fünftausend Jahre alt.

00:43:51: Wir fangen also an einer Kante an, wo reine mündliche Kulturen in eine Mediengeschichte übergehen, in etwas Schriftliches übergehen.

00:44:01: Das ist unser Anfang.

00:44:03: Und das Ende unserer Geschichte ist irgendwo zwischen KI und keiner weiß, wo uns die KI eigentlich in hundert Jahren hinbringt.

00:44:12: Das heißt, wir sind nach hinten offen.

00:44:15: Wir sammeln auch an der Kante von Utopien.

00:44:19: Auch ganz bewusst an der Kante von Utopien.

00:44:21: Weil ich finde ja, es gibt nicht spannender als... gescheiterte Utopien, so Sackgassen der Mediengeschichte.

00:44:27: Warum hat etwas nicht funktioniert?

00:44:29: Oder warum ist etwas ganz anders gelaufen, als wir dachten?

00:44:32: Das heißt, zwischen drei tausend, zwei hundert vor ungefähr die ersten schriftlichen Nalastenschaften bis über, über, übermorgen, das ist ein bisschen der breite Skope, den wir haben und den wir nicht... natürlich nicht vollständig abdecken.

00:44:44: Aber wir beginnen auch ganz ausdrücklich in unserer Dauerausstellung, die Fünf-Tausend-Jahre-Medien-Geschichte auch heißt, Zeichen, Bücher, Netze, vom Kerbholz zum Binerkot, fangen wir ausdrücklich an einer Stelle in der Geschichte der Menschheit an, die eigentlich jedes Kind auch nochmal selber erlebt.

00:45:03: Nämlich ist es eigentlich, wenn ich plötzlich das Lesens fähig bin, diese Lesekompetenz.

00:45:11: Wie kommt das in die Welt?

00:45:13: Und das ist historisch eine ganz spannende Geschichte, weil wir proto- schriftliche, also vorschriftliche Systeme haben.

00:45:19: Das Kerrpols ist eines der ganz wichtigen.

00:45:22: Das Kerrpols ist eine Proto-Schrift.

00:45:23: Das heißt, wir haben einen Zeichensystem, was aber nur aus Kerbe nicht Körbe besteht.

00:45:30: Das sind solche Holzstückchen, da sind so Kerben drin.

00:45:34: Die sind normalerweise im Handelskontexten gebraucht worden, wenn ich ihnen zum Beispiel zehn Schafe geliehen habe.

00:45:40: Gibt's da zehn Kerben in dem Holz?

00:45:43: Wir schneiden das Holz von unten nach oben durch, damit wir beide den Vertrag haben und in einem Jahr sage ich Ihnen, jetzt gebe ich Ihnen die zehn Schafe wieder.

00:45:51: Und zu verhindern, dass Sie noch ein paar Kerben dazu machen, dass Sie mich also behunzen.

00:45:55: Sondern dass der Vertrag auch wirklich der ehrliche Vertrag ist, hat man eben dieses Kerbholz, was aber eigentlich nichts anderes ist als ein Binerkot.

00:46:03: Kerbe, nicht Kerbe, ist nichts anderes als Null und Eins.

00:46:07: Und das ist so eine spannende Geschichte, die eigentlich fünftausend Jahre Mediengeschichte als ganz große, als ganz großen Bogen in Eins nimmt.

00:46:15: Und unser Ansatz ist, diese fünftausend Jahre Mediengeschichte als Geschichte von Meinungsfreiheit zu erzählen.

00:46:23: Denn etwas, was ich schriftlich fixiere, ist nachvollziehbar.

00:46:28: Und mit jeder Medienrevolution, die Erfindung der Schrift, ist eine Erfindung von freier Meinungsäußerung, die ich nämlich schriftlich fixiere, das heißt nicht nur im Gespräch, sondern tatsächlich in die Öffentlichkeit gebe.

00:46:41: Der Buchdruck ist nichts anderes.

00:46:43: Vorher, bevor der Buchdruck um die Mitte des XV Jahrhunderts erfunden wurde, war das Schreiben etwas, was unter Aufsicht in Klöstern passierte, eine unglaubliche Macht.

00:46:53: Positionen, die die Klöste hatten, weil die könnten sagen, das schreibst du ab, das schreibst du nicht ab.

00:46:57: Name der Rose kennt vielleicht jeder diesen wunderbaren Film

00:47:01: und Romal.

00:47:01: Wer nicht, wir verlinken es, wunderbare Romanen, genau auch von Umberto Eco, der sowieso ja aber auch an Symiotika war, dessen anderen Schriften auch alle, also teilweise spannender sind als ein Romal.

00:47:13: Unbedingt.

00:47:15: Aber komm, der Film ist doch ein ganz toller.

00:47:17: Total toll, ich hab auch überhaupt nichts dagegen.

00:47:19: Es gibt Bücher von Umberto Eco, die ich total mag und es gibt welche, wo ich einschlafe.

00:47:23: Also kann ja auch nicht sein.

00:47:25: Wir können auch nicht sein zum schlafen.

00:47:27: Ich würde jetzt nicht sagen, dass das jetzt ganz furchtbar ist.

00:47:30: Oder da findet man vielleicht nicht den Zugang zu.

00:47:32: Aber wie man mit einem Lachs verreist beispielsweise ist eines, wo man nie einschäft.

00:47:36: Das ist garantiert.

00:47:38: Das muss ich mir noch mal ausheben.

00:47:39: Mir das kenne ich noch nicht.

00:47:40: Nee, das ist ... Ja, okay, egal.

00:47:42: Aber so ist es.

00:47:44: Die

00:47:44: haben damals diese Macht.

00:47:46: Es gibt ja auch bis heute noch, habe ich das neulich von erfahren, so einen Streit über eines der Ersten oder vielleicht sogar das Erste.

00:47:56: das Christus bezeugt.

00:47:58: Und da gibt es eine riesigen Streit darüber, wie das formuliert

00:48:02: wurde.

00:48:02: Und da gibt es Leute, die also sagen, das ist so formuliert, dass das diesen Typen, den eigentlich damals ja keiner kannte, machen wir es nix vor, in so ein Licht rückt, wie man das nur später machen würde.

00:48:14: Und da gibt es andere, die sagen, na ja, aber da sieht man es doch, der Heiland.

00:48:18: Ist doch ganz logisch.

00:48:21: Genau.

00:48:22: Es gibt eben Leute, die sagen, das ist eben durch die Abschriften.

00:48:25: Ich meine, was sollen die machen?

00:48:26: Die Mönchen sitzen da.

00:48:27: Und wenn die jetzt in den Textbuch kommen, wo drinnen steht, Jesus war so ein Typ, der hatte so eine Latschen, der kam hierher, ein bisschen Bart, ein bisschen so.

00:48:33: Dann denken die sich, das kann man eigentlich bringen.

00:48:35: Da muss man ein bisschen noch

00:48:37: Fleisch reinmachen.

00:48:38: Das lesen auch später, Leute.

00:48:39: Was sollen die denken vom Heilern?

00:48:42: Das ist also nicht aus der Luft gegriffen.

00:48:44: Absolut.

00:48:45: Und wir waren aber in Buchdruck.

00:48:46: Da hat sich das dann alles verändert.

00:48:48: Genau.

00:48:49: Aber es hängt trotzdem an der Geschichte, die Sie gerade erzählen, auch, sozusagen, da gibt es mit Brücke zu.

00:48:54: Ja, der Buchdruck hat das verändert, dass jeder Mensch, jeder Mann, jede Frau, die tatsächlich einen Zugang zu den Werkstätten eines Buchdruckers hatte, konnte plötzlich alles drucken und unendlich, potentiell, unendlich oft verfüge.

00:49:09: Was für eine Gefahr für Staat und Kirche?

00:49:13: Was für einen Frontalangriff?

00:49:16: auf eine, eine Macht manipulierte oder zumindest machtgegängelte Form von Informationspolitik.

00:49:23: Plötzlich konnte Gretchen und Gretchen und Hinz und Kunz Heretika Teuflische, ich weiß nicht, wer alles konnte, ihre Meinung, konnte seine Meinung sagen, ja.

00:49:35: Und das war eine der Revolutionen in der Demokratiegeschichte von Gesellschaften, weil plötzlich etwas aus dem Volk gedruckt werden konnte.

00:49:46: Und wir wissen ja, dass zum Beispiel die Flugblätter des sechzehn Jahrhunderts sind voll von dieser Empphase einer Entfesselung von Meinungsfreiheit.

00:49:56: Im besten und im schlechtesten Sinne.

00:49:58: Und diese Geschichte, so zu erzählen, bis zu den digitalen Medien, der dritten Medienrevolution, Nachschrift und Buchdruck, wo wieder die Frage ist, naja.

00:50:07: Die AHA-Billion in den zehn Jahren, das ist das einenswanzigste Jahrhundert, die wir ohne digitale Medien überhaupt nicht hätte, die überhaupt nicht anfangen können.

00:50:16: Oder das, was die klugen, mutigen Frauen im Iran vor drei, vier Jahren gemacht haben.

00:50:22: Ohne digitale Medien wäre es niemals zu diesen Demokratisierungsprozessen, so traurig es im Iran auch jetzt ist.

00:50:28: Aber dennoch sind das unglaublich hoffnungsvolle, verantwortungsvolle Tendenzen, die Teil unserer Thematiken sind, weil sie Mediengeschichte oder weil sie den gesellschaftlichen Nutzen von Mediengeschichte erzählen.

00:50:41: Und da haben wir jetzt gerade, was die iranischen Frauen angeht, mit denen zusammen eine Ausstellung gemacht, wie sie eben ihr Freiheitsbestreben in Plakate zum Beispiel gießen.

00:50:51: Und da bei solchen Themen geht die Aufgabe die wir definieren als unsere Aufgabe einfach ganz besonders gut auf.

00:51:01: Und deshalb definieren wir diese fünftausend Jahre Mediengeschichte gern als die Geschichte von Weihnungsfreiheit und Demokratieprozessen.

00:51:07: Gibt es ja eine Dauerausstellung und dann extra solche Ausstellungen, die dann thematisch noch mal sind?

00:51:12: Oder wie muss ich mir das vorstellen?

00:51:13: Genau, wir haben eine Dauerausstellung, zwei tausend Quadratmeter, in denen diese fünftausend Jahre natürlich nur an lächerlichen Acht- und Acht-Oppjekten...

00:51:20: Aber ihr ist vielleicht

00:51:21: auch reich da auch.

00:51:22: Ich, ich...

00:51:23: Kurz, hage hier ein bei den Objekten.

00:51:25: Da sind vermutlich Tontafeln mit bei.

00:51:28: Ja.

00:51:28: Sind das dann originale Tontafeln?

00:51:29: Natürlich.

00:51:31: Was steht da drauf?

00:51:32: Das stehen, das sind Ostrakka, sogenannte Ostrakka, und wir haben verschiedene.

00:51:36: Also herzlich willkommen an alle, Sie sich erst mal anzuschauen.

00:51:39: Ja, hallo.

00:51:40: Das sind meist die Anfänge der Schriftliegen in ökonomischen Prozessen und eben leider nicht an der Lyrik.

00:51:45: Wir dachten, so als normaler Bandschling, da wollte ich jemand dichten.

00:51:49: Deshalb hat er die Schrift davon, nix.

00:51:51: Das sind tatsächlich Verwaltungsvorgänge, die da schriftlich notiert werden.

00:51:57: Wir haben ein ganz besonderes... schönes Beispiel eines römischen Grafsteins in der Ausstellung, der an einen sehr jung gestorbenen, zwölfjährigen erinnert, der in verschiedenen Sprachen gelobt wird.

00:52:08: Eine ganz tolle schriftliche, ein frühe schriftliches Zeugnis von Gedenkkultur, von Jugendkultur kann man heute fast sagen und wir haben sowas wie Gedächtnisketten ganz am Anfang der Ausstellung, Gedächtniskette.

00:52:24: Kennt man vielleicht noch von Rosengrenzen der Großeltern oder von dem, was in südeuropäischen Ländern häufig mit diesen Kugeln gemacht wird?

00:52:33: Das sind im Grunde Manuskripte, wenn ich einen Vortrag halte und Manuskript habe, weil ich wieder alles nicht im Kopf behalte.

00:52:39: Das sind die Gedächtnisse.

00:52:41: sozusagen die Gedächtnisketten Avalon la Letra.

00:52:43: Und es ist ein ganz spannendes Ding, weil die haben eines nicht, was Manuskripte haben.

00:52:50: Sie haben keine Ein-Eindeutigkeit.

00:52:52: Wir haben zum Beispiel eine Gedächtniskette, wo so zwei Ringe da sind.

00:52:55: Ringe könnte man denken.

00:52:56: Manche Kinder denken an Donuts.

00:52:58: Andere denken an Ehringe.

00:53:00: Die Dritten denken an Schwimmwesten, an Schwimmringe.

00:53:04: Das heißt, wir haben nie eine Ein-Eindeutigkeit, sondern immer.

00:53:06: der Kontext der Geschichte ist wichtig.

00:53:09: dass dann außerdem noch solche Sprichworte wie den Faden nicht verlieren.

00:53:13: Das kommt von der Gedächtniskette.

00:53:15: Ja, oder auf den Kerpholz haben.

00:53:16: Auf den Kerpholz haben.

00:53:17: Und dann hier, und was ich noch gelernt habe, in einer ebenfalls grünen Podcastfolge, Bankrott.

00:53:22: Bankrott, perfekt.

00:53:24: Oder habe ich glatt vergessen, das kommt vom Glattstreichen der Wachstafeln.

00:53:28: Unser Sprachgebrauch ist voll von mediengeschichtlichen Sprichworten, die man hier entdecken und aufschüssen

00:53:35: kann.

00:53:36: Ich habe auch deshalb nach denen... Einzeler wird eine Frage, weil das natürlich heutzutage, muss man die Frage dann stellen, wo kommt das Zeug her, ist das irgendwo ausgebuddelt worden, mal neunzehnt neun von jemandem mit einem spitzen Hut aus Deutschland, der dann dadurch die Wüste dritt und dann beschlossen hat, den Kram nimmt damit und dann wird er jetzt hier gezeigt, sind das Probleme, über denen sie sich auch beschäftigen

00:53:57: müssen?

00:53:58: Ja, Gott sei Dank dürfen inzwischen auch.

00:54:01: Das hat die Frage nach Provenienz, nach Herkunft von dem Kulturgut.

00:54:05: Es hatte Jahre lang, und das habe ich durchaus auch noch erlebt, war das Scham behaftet.

00:54:10: Ja, nicht drüber sprechen.

00:54:11: Es könnte ja ein Eigner einer mit guten Rechten kommen und das zurückfordern.

00:54:18: Und da sind wir, Gott sei Dank, im Europäischen Contest spielt Frankreich eine ganz, ganz große Rolle, Benedikt Zervois und Tsar.

00:54:26: Die haben diesen Mythos, dass das Scham bedeckt sein muss, sich danach zu erkundigen, was ist, zu einer Notwendigkeit gemacht.

00:54:35: Vor zwei Jahren, in relativ umfangreiche Publikationen gemacht, die heißt Tiefenbohrung, wo wir tatsächlich über alle, wir haben ca.

00:54:43: eins, zwei Millionen Bestände, exemplarisch in alle unsere Bestände rein ein Lot Tiefenbohrung gelassen hat.

00:54:51: und zu gucken, wo gibt es denn Unrechtskontexte?

00:54:55: Aber auch nicht nur wo gibt es juristische Unrechtskontext, sondern wie spannend bitteschön ist die Frage nach Herkunft von Objekten.

00:55:02: Das zeigen die Objekte ja nicht, das sind ja Stumm.

00:55:05: Und das sind so spannende und die neugierbefriedigende Geschichten, die dabei rausgekommen sind.

00:55:12: Und nie sind wir mit dieser Provenienzgeschichte am Ende.

00:55:15: Nie ist was ausreichend.

00:55:16: Es könnte immer noch irgendein Archival hier kommen, die Geschichte wiederum ganz anders.

00:55:22: Ihre Frage ganz kurz zu beantworten.

00:55:24: Es spielt eine große Rolle.

00:55:25: Wir haben nicht die Personalkapazität, schlechendeckend über unsere sehr einbestände von eins, zwei Millionen.

00:55:32: Aber sobald wir einen Ansatz haben, machen wir auch, Deutsche Nationalbürokratie hat eine Restaurationsforscherin, auch Rückgaben.

00:55:40: Wir geben alles zurück, wenn wir wissen, es ist irgendwie ein Unrechtskontext

00:55:44: da.

00:55:45: Und Kontext ist genau das Stichwort.

00:55:46: Denn... Es ist ja auch so, also mal abgesehen davon, wie man das jetzt findet, dass einer durch die Wüste reitet, irgendwie kleine Tontäfische mitnimmt.

00:55:54: Weil da der Meinung ist, die hier, gönne ich auch mit nach Hause nehmen.

00:55:57: Mal abgesehen davon, wie man das findet, ist Kontext bei der Findung, also beim Auffinden, eine ganz entscheidende Sache bei historischen Objekten.

00:56:04: Das ist was, was ich auch im Rahmen dieses Podcasts gelernt habe, bei den Münzforschern, die sagen, auf keine Münzen auf.

00:56:13: Das ist so eine Gemeinheit, die finden die, Und dann nehmen die die mit und stellen die irgendwo rein und dann kann man die im Hundertterpark kaufen.

00:56:20: Aber in Wirklichkeit ist der Auffindungskontext das Entscheidende und nicht das bisschen Silberwasser drinnen ist oder das kleine glänzende Ding.

00:56:28: Und das ist doch aber bei allen, das zieht sich ja durch alle historischen Objekte.

00:56:31: Also wo habe ich das gefunden, was kann da noch sein?

00:56:33: und so weiter.

00:56:33: Definitiv.

00:56:34: Und es gibt da Schwierigere, es zieht sich durch alle, wie völlig recht.

00:56:37: Aber es gibt schwierere Kontexte und etwas einfache Kontexte.

00:56:41: Zu den schwierigsten Kontexten gehörten sicherlich Judaika.

00:56:45: Ein Unfass war immer noch bunter Markt und keiner weiß, wie viele da an Unrechtskontexten, wie viele da an nach'n dreißig vor'n dreißig bis'n viertzig gewaltvoll oder auch nur vermeintlich gewaltlos an Enteignungen stattgefunden hat, wo sich jetzt jemand gutlichtzeitig und diese ganzen Verstreuungen von Kulturgut, die wir kaum rekonstruiert bekommen, ist es mit jedem Kauf einer Institution auf dem freien Markt ein Akt der Verwischung von Spuren mehr.

00:57:21: Weil das wollen, das will der Markt.

00:57:23: Der will Spuren verwischen und tatsächlich die Unrechtskontexte, etwas einfach gesagt, es gibt auch im Antiquariatsmarkt unglaublich anständige Menschen, aber leider gibt es immer noch, dass wir den Reibach machen mit Die Fälschten Judaika zum Beispiel, da fallen immer noch viele Bauchaufreihen.

00:57:40: Deshalb war bei uns auch, wir kaufen keine mehr.

00:57:42: Wir kaufen keine jüdisch, aus der jüdischen Kulturgeschichte, aus diesem Grund.

00:57:49: Wir kaufen auch keine Antiquitäten, also aus der Antik mehr, aus der syrischen Antik.

00:57:55: Der Markt wird überschwemmt.

00:57:57: Mit unglaublich spannenden Zeugnissen aus der Beschriftgeschichte von Mesopotamiens zum Beispiel.

00:58:01: Nein, wir kaufen

00:58:02: nicht mehr.

00:58:04: Ein, also was Sie gesagt haben, gibt da immer ein Handelsschwerpunkt und es gibt einen Schwerpunkt bei den ganz frühen Zeugnissen, da erstmal Zahlen, Daten, Fakten, wovon ich jetzt neulich erst gehört hatte, war dieses eine Fundstück, wo es darum ging, dass sich der.

00:58:19: eine Verkäufer mit dem anderen Verkäufer in die Wolle bekommt, weil minderwertiger Kram geliefert wurde.

00:58:25: So ein Brief.

00:58:26: Auch das sind ja, selbst wenn es jetzt nichts Lyrisches ist, ist es aber ein Einblick in einen Alltagsgeschehen, was man dann da bekommt.

00:58:35: Die Sachen, die bei Ihnen zu sehen sind, also ihr konnt ja jetzt nicht, das ist ja Montag, das Museum ist ja geschlossen.

00:58:41: Ich habe jetzt auch keine Runde mehr.

00:58:42: Das ist auch so ein Klassiker bei diesem Podcast im Übrigen, dass ich in Musiken gehe, dann Gespräche mit den Chefs habe.

00:58:49: Also, was der Podcast ist.

00:58:51: Und dann aber holt sich zur Bahn rennen muss, um nach Hause zu kommen und nicht einen einzigen Schritt durch das Museum zu gehen.

00:58:56: Wenn es mir mehrmals passiert, wird auch heute wieder so sein.

00:58:58: Ist aber nicht schlimm, weil wir fordern ja natürlich die Hörerschaft auf.

00:59:01: Sie tun mir leid und Sie müssen wiederkommen, so einfach.

00:59:03: Exakt,

00:59:03: das ist auch beim letzten Mal, ich hab das in Paderborn.

00:59:06: Und jetzt hat meine Frau das gehabt, dass sie dann keinen Schritt ins Museum gesetzt hat.

00:59:13: Also was kann ich in der Dauerausstellung?

00:59:15: Es fängt an mit den Kerbhölzern.

00:59:17: Es geht weiter, nehme ich an, um Präbuchdruck.

00:59:22: Schriften?

00:59:23: Das sind wir lange nicht.

00:59:24: Ach so.

00:59:24: Es geht weiter mit etwas, was uns auch ganz wichtig ist, nämlich die Frage, was ist eigentlich alles Zeichensetzen?

00:59:30: Das ist eben nicht nur Bücher schreiben oder Texte schreiben, sondern das ist zum Beispiel auch Briefe schreiben.

00:59:35: Brief, Brevis, der kurze, die kurze Mitteilung, eine unglaublich spannende Kulturgeschichte.

00:59:40: Oder wir haben die Golden Voyager Record, das wir in der Apollo-II in das Weltall geschickt.

00:59:47: Das ist so eine Bild-Tonplatte, die alles beinhaltet, was uns Menschen so stolz macht.

00:59:53: Vielleicht schon mal gehört, also ein Goethe-Gedicht, eine Bachmottette des Schreien eines Kindes, das Wachsen von Gras angeblich in Apollo, mit Apollo hochgeschickt, mit diesem cruden Gedanken, wenn da oben jemand ist, der auch so tolle Hächte auf seiner Erde hat, dann sollen die bitte mal eine Platte zurückschicken.

01:00:12: Also auch sowas haben wir, um zu sagen, diese Mediengeschichte ist auch voll von Visionen, von Unendlichkeit und von der Wichtigkeit von Menschen.

01:00:21: Den nehmen wir relativ, geben wir relativ viel Raum.

01:00:23: Wir geben dann auch Künstler relativ viel Raum, die unsere Geschichten zum Beispiel in einen Näherkunstwerk, was auch interaktiv ist, wo man dem kann man Fragen stellen und manchmal antwortet dieses Kunstwerk einem auch sehr witzig, wo man abgurgelt wird ist, was ist eigentlich Fragen stellen und Antworten haben wollen.

01:00:40: Also die Grundfrage von Medien- und Kommunikationsgeschichte.

01:00:44: Und dann kommen wir tatsächlich zum Buchdruck.

01:00:47: indem wir aber kurz vorher noch mal die Schriftgeschichte genau untersucht haben.

01:00:50: Und was ist eigentlich Schrift?

01:00:52: Schrift ist das, was wir nicht kennen, nicht wissen und nicht sehen.

01:00:55: Keiner von uns hat sich jeder über Gedanken gemacht, wie hässlich unsere Nummernschilder sind.

01:01:00: Die sieht man einfach nur und man sieht nur L. Wie hässliche Typografie das ist und warum sie so hässlich ist.

01:01:07: Das können wir uns im Museum erfahren, als nämlich eigentlich ein Terrorabwehr war, diese Typografie.

01:01:12: Und dann kommen wir zum Buchdruck, natürliche klassische Fragestellung für uns.

01:01:16: Da machen wir aber den Schlenker nach Korea.

01:01:18: Denn leider sagen die Schulbücher heute immer noch, dass Gutenberg den Buchdruck mit Beweglichen-Lettern erfunden hat.

01:01:25: Stimmt einfach nicht.

01:01:26: Nachweisbar ist es in Korea von einem Anonymous.

01:01:30: Achtzig Jahre vor Gutenberg erfunden worden.

01:01:32: Und das müssen wir mal aufklären.

01:01:35: Ich habe viele Versuche gemacht, dass die Schulbücher das mal gerade ziehen, diesen Eurozentrismus einfach mal aufhören.

01:01:41: Noch ist es nicht gelungen.

01:01:42: Dann eine wichtige Ein wichtiges Themenmodul.

01:01:45: Ich gehe jetzt im ganz großen Schritten durch die Dauerausche.

01:01:48: Ist das richtig?

01:01:51: Ein Modul, ein Thema, was mir extrem wichtig ist, ist das Zensurmodul.

01:01:55: Was ist eigentlich Zensur?

01:01:57: Warum ist Zensur nicht das per se schlechte?

01:02:01: Warum finde ich es gut, das kinderpornografische... Bücher nicht an die Öffentlichkeit kommen.

01:02:07: Das heißt, die Zensurgeschichte machen wir nicht anhand von moralischen Voreinstellungen zu.

01:02:12: Wir sollten noch alles öffentlich stellen, sondern überlegen, an welchen Bücherbiografien können wir eigentlich Zensurgeschichte erzählen, von dem Frühdruck bis übermorgen.

01:02:21: Dann haben wir ein Modul, was die Maschinengeschichte, die Industrialisierungsgeschichte des Buches vom Siebzehnten bis zum XXI.

01:02:29: Jahrhundert erzählt.

01:02:30: und im Ausgang der Ausstellung gibt es so etwas wie Die Highlights der Mediengeschichte des Jahrhunderts, das ist schwer, so nah noch dran.

01:02:38: Aber es ist natürlich die Göbbelsschnauze, also der Volksvorräter, hätte ich fast

01:02:43: gesagt.

01:02:44: Ja, bitte.

01:02:44: Volksentfänger.

01:02:46: Einen sagen so, oder sagen so?

01:02:47: Aber ja, Volksentfänger.

01:02:49: Mittels dessen eben die Manipulation von Millionen innerhalb von zwölf Jahren erfolgreich funktioniert hat.

01:02:59: Und ganz am Ende der Ausstellung ... haben wir Künstler gebeten, weil wir haben so schrecklich schlechte Ahnung und Assoziationen von der Zukunft dessen, was wir eigentlich machen.

01:03:09: Und das sind sieben Künstler, die wir gebeten haben, uns doch mal ihre Visionen von der Mediengeschichte in hundert Jahren und in fünfhundert Jahren zu erzählen.

01:03:18: Und damit entlassen wir die Besucher und merken daran, dass funktioniert intergenerational total schön.

01:03:24: Die Opa ist mit ihren Enkeln, die sowieso meine Lieblings-Besuchergruppe ist, weil die beide Zeit haben.

01:03:30: Wie die sich an diesen Visionen abarbeiten, das ist so schön.

01:03:35: Da geht Museumsarbeit auf.

01:03:37: Das war der Galopp durch fünftausend Jahre.

01:03:39: Aber

01:03:39: ich frage jetzt trotzdem, auch wenn es ein bisschen unfäh ist, gibt es so ein Lieblingsstück, muss ja auch nicht in der Ausstellung sein.

01:03:43: Ich weiß, das habe ich auch gelernt.

01:03:45: Natürlich, und Sie haben es ja gerade vorhin gesagt, es gibt irgendwie eineinhalb Millionen, oder ja, also Millionen an Stücken, die in den Archiven liegen.

01:03:53: Und nicht alles kann dann auch in die Ausstellung kommen.

01:03:56: Aber gibt es denn was außer Ausstellung?

01:03:57: Gibt es was aus dem Archiv, das, wo Sie sagen, das sind so zwei Sachen, die...

01:04:01: Ja, es gibt es.

01:04:03: Und zwar ist das das Objekt, was ich noch nicht habe und was übermorgen hoffentlich kommt.

01:04:07: Also es ist immer das begehrteste Objekt in meinem Kopf ist immer das, woran ich gerade hinterher renne.

01:04:15: Und das können jeden da andere sein.

01:04:17: Das ist ein bisschen nicht

01:04:18: die

01:04:18: Antwort auf Ihre

01:04:19: Frage.

01:04:20: Nein, das ist sehr schön.

01:04:21: Und ich glaube, Teil meiner Hörerschaft inzwischen so gut zu kennen, die sammeln vielleicht nicht unbedingt Bücher, aber das Gefühl kann man nachvollziehen.

01:04:30: Das nächste ist es nicht.

01:04:31: Morgen

01:04:32: kommt es.

01:04:32: Morgen bin ich glücklich.

01:04:36: Aber aus der aktuellen Ausstellung, aber ich nehme mal an, das wird schon auch das sein, dass das diese künstlerische Auseinandersetzung ist.

01:04:42: Ist das Ihr Favorit?

01:04:42: oder was ist da der Favorit aus der Ausstellung?

01:04:45: Ich muss schon sagen, dass die Frage nach dieser Göbbelsschnauze, nach diesem Volksvorräter, Volksempfänger, das ist schon etwas, was mir deshalb so gut gefällt.

01:04:57: Ah, es ist ein ... Wirklich toller Design, muss man einfach sagen, Designentwurf.

01:05:02: Dieses Radio ist wirklich ein toller Gegenstand.

01:05:04: Aber

01:05:06: wenn ich sage, dass unser Bestreben vor allen Dingen da ist, die heutige Zeit ins Museum zu holen, an diesem Gerät kann ich Medienmanipulation, Machtversuche über Medienmanipulation, kann ich ganz besonders gut anknüpfen.

01:05:22: Deshalb gehört es tatsächlich gerade zu meinen Lieblingsabjekten.

01:05:25: Wunderbar, wir machen damit so ein bisschen den Sack zu für heute im Sinne von, also wir könnten jetzt wirklich durch diese Archive drei Stunden gehen.

01:05:35: Es ist nur so, dass ich morgen früh einen weiteren Termin habe im ganz anderen Teil von Deutschland, den ich mir eingebrockt habe und deswegen auch mal irgendwann nach Hause.

01:05:43: Ich weiß auf jeden Fall, dass ich Leipzig noch besuchen werde und dass ich auch das Museum hier noch mal besuchen werde und dass ich beim nächsten Mal vermutlich nicht alleine sein werde und dann hoffentlich auch in den Lesesaal reinkomme, ohne dabei alles falsch zu machen.

01:05:59: Dr.

01:05:59: Stefan Jakobs, vielen Dank, dass Sie mich hier reingelassen haben, dass Sie das alles so schön erzählt haben.

01:06:05: Ich weiß gar nicht, also das war so informativ.

01:06:08: Also es gibt so viele Punkte, die ich mir jetzt eigentlich notiert habe.

01:06:10: Ich versuche auch natürlich der Hörerschaft ein bisschen noch Anhaltspunkte zu geben, indem ich dann diese Show-Notes ordentlich fliege.

01:06:16: Ich habe immer mal zwischendurch was eingegeben und versuch das mit auf dem Schirm zu halten.

01:06:21: Ich danke Ihnen, ich danke fürs Zuhören und ich muss mal ein Werbebock in eigener Sache machen.

01:06:26: Wenn die nächste digitale Revolution losgeht, oder die Quantenrevolution, dann liest man das natürlich auf golem.de, das ist was ich sage.

01:06:32: Und dann, wenn man dazu wissen will, wie das genau funktioniert mit den Quanten, gibt es noch golem.

01:06:37: plus, wo es Artikel gibt, die dann nochmal ganz spezifisch in die Tiefe gehen bei speziellen Themen, die vermutlich für mich, wo sie zugeben, zu hoch sind.

01:06:47: Damit bin ich eigentlich am Ende.

01:06:49: Vielen, vielen Dank und bis zum nächsten Mal.

01:06:52: Ciao.

01:06:53: Marcin Wolff, vielen, vielen Dank für die Neugier.

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